motoclub.de  Einkaufsführer

In diesem Kapitel verrät Ihnen motoclub.de, wie und wo Sie Oldtimer, Ersatzteile und - ganz neu - auch die entsprechnde Literatur bekommen können.

“Wo hast Du denn den Schrotthaufen wieder her?” - Wenn Sie diesen Satz schon einmal gehört haben, haben Sie erstens Lust am Restaurieren von alten Motorrädern und - Sie haben eine Frau oder Freundin. “Woher bekommst Du eigentlich immer diese tollen, alten Motorräder?” Wer diese Frage kennt, hat erstens bereits sein Motorrad restauriert (oder ein gutes Motorrad gekauft) und zweitens auch Freunde. Der motoclub.de Einkaufsführer soll Ihnen bei der Auswahl und Beschaffung des richtigen Motorrades helfen.

Wir sind bereits um die Erfahrung reicher, schon ein paar Motorräder mitgebracht zu haben (siehe die Zündapp KS 500 auf der Restaurierungsseite), die man im Nachhinein besser hätte stehenlassen sollen. Und unser Konto ist um diese Erfahrungen ärmer. Lesen Sie also aufmerksam, wenn Sie noch nie einen Oldtimer gekauft haben, und entscheiden Sie dann.

Es soll ein Restaurierungsobjekt werden:
1. Bleiben Sie locker. Auch wenn Sie bereits 4 Nächte nicht mehr geschlafen haben, keine Gelegenheit ist so einmalig, wie der Verkäufer es darstellen mag und Sie es längst geglaubt haben.

2. Nehmen Sie einen sachkundigen, aber nicht zu sehr begeisterten Freund mit. Der kritische Blick ist viel wert. Und den haben Sie nicht, wenn Sie einen bestimmten Typ unbedingt suchen.

3. Besorgen Sie sich im Vorfeld Unterlagen, anhand derer Sie die Originalität prüfen können. Wenn Sie eine ordentliche Restauration durchführen möchten, können Sie alles verschenken, was nicht original zu diesem Typ gehört. Checken Sie in aller Ruhe die Vollständigkeit der Maschine. Fehlende Handhebel oder Beleuchtungseinrichtungen gehen richtig ins Geld! (diese Teile sind bei den alten Fahrzeugen immer als erstes weg, weiss der Geier, warum).

4. Dies ist kein Gebrauchtwagenkauf: ob die Reifen abgefahren sind, ist sowieso egal; in 99% der Fälle müssen die erneuert werden. Es geht um Ihre Sicherheit! Auch der übliche Check der Lenkkopflager, Radlager, etc. ist überflüssig; damit kann man höchstens einen unerfahrenen Verkäufer in der Preisverhandlung totreden. Das müssen Sie sowieso alles erneuern. Weit wichtiger sind z.B. Erkenntnisse, ob die Buchsen einer Gabelschwinge Spiel haben: wenn ja, ist aufwendiges Anfertigen in einer Dreherei fällig, so etwas geht ins Geld! Auch das Neulagern der Kurbelwelle kostet bei einem Gebrauchsklassiker 500 - 1000 DM, neue Kolben mit Ringen und Bolzen 200 - 500 DM (Stückpreis), Buchsen der Zylinder 300 DM pro Stück, und bis jetzt haben Sie nicht ein Teil lackiert oder beim Galvaniker mit neuem Nickel oder Chrom überzogen.

5. Checken Sie die Verfügbarkeit von Ersatzteilen für Ihren Motorradtyp. Für Nachkriegs-BMW´s gibt es (fast) jedes Teil neu, überholt oder als Nachfertigung, soll es aber eine Victoria Swing werden, werden Sie sich wundern, wie selten man Brocken für das Gefährt angeboten bekommt.

6. Investieren Sie Ihr Geld in eine gute (und das heisst komplette) Basis, nicht unbedingt in eine teure. Eine schnelle Verkaufslackierung steigert den Wert kein bisschen, die muss sowieso wieder runter und ordentlich gemacht werden! Wenn jedoch gröbere Brocken fehlen, die Zylinder gebuchst werden müssen und Kolben angefertigt werden müssen, sollten Sie die Finger davon lassen, es sei denn, das Gefährt ist richtig billig und Sie haben viel Zeit...

7. Falls Sie kein echter Experte sind und Ihnen ein solcher auch nicht gerade einen Gefallen schuldig ist, sollten Sie keine zerlegte Maschine oder angefangene Restauration kaufen. Erstens ist es selbst für den Experten schwierig, die Vollständigkeit eines Puzzles im Masstab 1:1 zu checken, und zweitens setzt es sich viel leichter zusammen, wenn man auch zerlegt (und dabei entsprechende Aufzeichnungen und Photos gemacht) hat.

Es soll ein fahrbereites Objekt sein:
1. Fahren Sie es! Und lassen Sie sich nichts erzählen: Fährt der Verkäufer auf der “das ist alles neu, das läuft sich ein...” Schiene, vergessen Sie es. Nach einer Restauration laufen sich die Kolbenringe in der Zylinderlaufbahn ein. Sonst setzen sich höchstens einmal Lager fest, wenn zu kalt montiert wurde.Das tun diese aber auf der ersten, längeren Fahrt. Auf den ersten 100 km darf der Motor müde wirken, muss aber auf den folgenden 400 km  zunehmend lebendiger wirken. Danach ist der Einlaufprozess weitestgehend abgeschlossen; was jetzt nicht ordentlich läuft, wird später richtige Probleme bereiten. Manche Maschinen sind nach dieser Zeit nicht vollgasfest. das sind exakt die, die thermisch hochbelastet sind und erst Vollgas vertragen, wenn ein gewisser Verschleiss eingetreten ist. Oder nie wirklich Vollgas vertragen. (Aber das hat nichts mit Einfahren zu tun!)

2. Prüfen Sie die Originalität anhand von Original-Unterlagen. Nicht originale Bauteile führen zur starken Abwertung.

3. Achten Sie auf Kleinigkeiten; wer alte Reifen montiert, schlampt auch an anderer Stelle. Finger weg! Bei einem fahrbereiten Motorrad würde ich sowieso immer mehr auf den Verkäufer achten als auf das Motorrad. Seriöse Leute geben genau an, was mit dem Motorrad los. Und fragen Sie erst gar nicht, warum verkauft werden soll: irgendein plausibler Grund findet sich immer.

4. Prüfen Sie alles, was der TÜV auch checkt. Dabei werden Sie jede Kleinigkeit mit in die Preisverhandlung nehmen. Oder Sie lassen alle Fehler vom Verkäufer vorher beseitigen.

5. Ein Grundsatz gilt immer: nehmen Sie einen sachkundigen Freund mit. Dessen Blick ist mit Sicherheit gelassener und sachlicher als Ihrer.
 

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