Ibbenbürener Pfingstrallye 2003
Seit 23 Jahren findet zu Pfingsten in Ibbenbüren (zwischen Münster und Osnabrück) eine bemerkenswerte Veranstaltung statt, die sich mittlerweile, wie uns der Veranstalter stolz mitteilte, zur größten Motorrad Oldtimer Rallye
der Welt gemausert hat. Diese führende Position wird allerdings gemeinsam mit dem englischen Banbury Run eingenommen. Über 400 Oldie-Liebhaber gingen mit Ihren mehr als 60 Jahre alten Maschinen an den Start, viele davon
organisiert in 26 Mannschaften zu je 3-4 Fahrern. Gekämpft wurde in 2 Wertungsläufen um die möglichst präzise Annäherung an eine vorher angegebene Durchschnittsgeschwindigkeit von 24, 30 oder 36 km/h.
Auch in diesem Jahr gab es eine
motoclub.de- Mannschaft. Alles in allem hat es wieder Spaß
gemacht. Nur war die Organisation in diesem Jahr nicht so gut gelungen wie vorher schon erlebt. Dabei haben sich die vielen Helfer zweifelsohne große Mühe gemacht. Aber mal schön der Reihe nach:
- Die Streckenführung war eher schlecht. Am Samstag die Einstellfahrt: Nachdem in der prallen Sonne lange auf den Start gewartet werden mußte, war bereits nach wenigen Kilometern die erste Rast
angesagt. So gab es weder Zeit, gepflegt ein paar Liter Benzin abzufackeln (waren wir nicht genau deswegen gekommen?), noch kam die Körpertemperatur nur annähernd auf Sollwert. Zum Trost gab es ja eine Tasse heißen Kaffee...
- Nach der Frühstückspause sofort wieder das Gleiche: ein paar Kilometer fahren, und dann wurde zur (heißen) Erbsensuppe auf dem Marktplatz in Ibbenbüren geladen. Sorry, aber bei dem Wetter kein echter Genuß.
- Sonntags ging die Fahrt nach Gronau entweder über schnelle Bundesstraßen, oder durch möblierte Tempo-30- Zonen. Diese Strecke wurde garantiert von keinem Oldie-Fahrer mit starrem Hinterrad oder Trapezgabel vorn ausgesucht!
- In Gronau erwartete uns dann ein staubiger Wüstenplatz (wer erinnert sich noch z.B. an den schönen Besuch im Mühlenhof in Münster? Zwischen der Qualität der Zielpunkte lagen Welten!),
Sitzgelegenheiten für ca. 20 Personen (bei über 400 gemeldeten Fahrzeugen!), wieder eine schöne, heiße Erbsensuppe, dafür noch weniger Schatten als auf dem Ibbenbürener
Marktplatz. Die Getränkeverkäufer waren durch ein völlig überflüssiges Pfandsystem völlig überfordert. Die Folge: ein paar Leute sind aus den Latschen gekippt, so daß der Veranstalter
die Bleibepflicht aufheben mußte, um schlimmeres zu verhindern. Das es auf dem Rückweg “Hunde und Katzen” geregnet hat, war wohl nicht besser zu organisieren, die Auswertung der Rally (2.Lauf) dagegen schon:
- Ein “Sanity-Check” der Ergebnisse hätte jeden stutzen lassen, der bemerkt hat, daß die ersten 100 Plätze von Teilnehmern belegt wurden, die einen Schnitt von 30km/h für die
Wertungsprüfungen gewählt hatten. Und daß die Sollzeit für 36 km/h Schnitt viel länger war als die Sollzeit für die 24km/h. Ein Schelm, wer denkt, daß hier Sollzeiten vertauscht wurden. Dies
hatte jedoch einen tollen Nebeneffekt: Die Gewinner waren in der Mehrzahl neue Gesichter, und hatten sich allesamt Ehre und Würde verdient. Und selbst ein Troßwagen mit Spritreserven (ob
der auch den Tacho abgeklebt hatte? Ein Schelm, wer böses denkt...), im letzten Jahr noch Garant für den Titelgewinn, konnte bei der “Ibbenbürenschen Algebra” die Kohlen nicht aus dem Feuer holen.
Wir möchten dabei eines nicht vergessen: einen
großen Dank an die Organisatoren. Und das meine ich ganz ehrlich. Denn es ist eine Sauarbeit, so etwas zu organisieren, und reich ist damit auch noch keiner geworden. Ich hoffe, daß die Kritik als notwendiges Instrument für
nachhaltige Verbesserungen gesehen wird. Hier also ein paar Vorschläge:
- Es gibt entlang des Teutoburger Waldes herrliche kleine Nebenstrecken, die herrlich zu fahren sind und für alle Teilnehmer eine tolle Alternative sind. In
den letzten 10 Jahren (?) wurde dort nicht mehr gefahren, meist war die Richtung Münster, Telgte, Warendorf, o.ä.
- Zwischen Pausen sollten Fahrtzeiten von mindestens 30 Minuten liegen, sonst lohnt es sich kaum, auf das Fahrzeug zu steigen.
- Die Organisation an den Etappenzielen sollte reibungsloser den Zugang zu Speisen und Getränken gewährleisten. Die meisten Fahrer würden auf Pokale weitestgehend verzichten,
wenn dadurch die Qualität des Essens verbessert werden könnte. Das Etappenziel selber wäre sorgfältig auszuwählen, Gronau war wirklich der Hammer.
- Á propos Pokale: Da ist die Meinung ja sehr geteilt, aber ich persönlich würde mich über eine Büchse Öl oder eine (kleine!) Medaillie für den Klassensieger viel mehr freuen. Oder wissen
Sie noch wohin mit dem Zeugs? Bei Öl wüßte ich. Gern stelle ich den Kontakt zu Miller Oils her, die machen sicher einen guten Preis für die Veranstalter.
- So eine Auswertung muß korrekt erfolgen, wenn man stolz verkünden möchte, das die Veranstaltung das Highlight des ADAC Classic Revival Pokal 2003 sein soll. Und wenn Teilnehmer dies beanstanden, sollte man aufmerksam zuhören.
- Die Strecke sollte vorher ncht bekannt gegeben werden, und Begleitfahrzeuge nicht akzeptiert werden. An engen Stellen haben diese die Strecke für die Teilnehmer blockiert!
- Noch eine interne Bemerkung: Wer glaubt, eine BMW R11 sei ein ungemein sportliches Motorrad, sollte sich dem fairen Kampf mit der Zündapp KS 500 stellen, und nicht wie ein Hasenfuß abhauen...
Also, ich bin ja mal gespannt auf’s nächste Jahr! Und freue mich darauf, all die geduldigen Teilnehmer wieder zu sehen und viel Benzin zu reden.
Die schönste Geschichte noch zum Schluß: Als wir während des Wolkenbruchs zu zweit mit
Zündapp K500 und KS 500 uns mühsam den Weg suchen mußten, zog ganz locker eine DKW an uns vorbei. “RT100 - 3PS” stand auf dem “Nummernschild” geschrieben. Also nichts wie hinten dran gehängt. Der Fahrer vorn gab alles.
15cm Wasser auf der Straße konnten ihn nicht abhalten, zügig voran zu fahren, so daß wir kaum dranbleiben konnten. Vielleicht ein Schreibfehler? Mußte es richtig “RT 3 - 100 PS” heißen? Am Ziel Motorradmuseum Ibbenbüren
angekommen, stellten wir den eher älteren Fahrer zur Rede und wollten geheimste Frisierrezepte lernen. Dieser freute sich, mit den nominell viel stärkeren Maschinen mitgehalten zu haben. Sein
Erfolgsrezept: “Die Brille habe ich schon in Gronau abgesetzt, die ist immer beschlagen!” Nur um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Was der Held der Landstraße dann aufsetzte, war keine
Motorradbrille, sondern eine echte Sehhilfe, die auf Kurzsichtigkeit im fortgeschrittenen Stadium schließen ließ...