Stafford Motorcycle Show 27.4.2002

Auf der britischen Insel sind viele Dinge einfach anders. Man fährt links, nur weil Napoleon immer rechts ging, der Währungsunion Euro hat man sich (offiziell) auch noch nicht angeschlossen, und trotz der vielen Niederschläge ist nicht nur Fußball populär, sondern Motorräder waren und sind es auch.

Aber wie sind Teilemärkte auf der Insel? motoclub.de wollte es schon lange wissen, und nun, da gerade in der Kellerwerkstatt eine Brough Superior SS80 aus einem Haufen Schrott zum ansehnlichen und fahrbereiten Oldtimer mutiert, war die Gelegenheit günstig. Zunächst einige Tips zur Anreise: wir haben das Hoverspeed gewählt, ein Katamaran, der in ca 60 Minuten von Calais nach Dover übersetzt, kostet 115¥ in der Nebensaison und ist damit um ca. 65% günstiger als der Eurotunnel (ca. 300¥). 3-4m hohe Wellen waren sogar im Fährpreis inklusive, da hat sich so mancher Passagier das Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen lassen... Darüber hinaus bietet es sich an, Freitags zeitig unterwegs zu sein, um nicht in den Stau auf dem Londoner Stadtring, der M25, zu gelangen. Ab 14.00 Uhr rechnet man einfach die dreifache Fahrtzeit ein.

Übernachtet haben wir in der Nähe von Oxford bei unserem Motorradfreund und Wahl-Engländer Martin. Rundgang durch Garage und Wohnzimmer- Museum sowie eine Menge Spaß inklusive. Danke, Martin, wir kommen gern wieder!

Und die Veranstaltung? - “Well,” würde der Engländer sagen, ”if you are looking for the right things, you’ll find them.” Das heißt im Klartext, daß Stafford nicht nur Teilemarkt, sondern auch eine große Show ist.

 

Die Show
Dutzende von Markenklubs, von AJS über MZ bis Zenith, stellen, buhlend um den Pokal “Best of Show” ihre polierten Schätzchen aus. Man munkelt, daß einige der chromblitzenden Schönheiten reine Ausstellungsstücke seien und Details wie Kurbelwellen oder Zündung unter den polierten Deckelchen nicht funktionsbereit sind oder gänzlich fehlen.

Zu sehen sind nicht nur die Brot- und Butter BSAs und Triumphs, sondern auch sehr hochkarätige Zweiräder wie Vincent “Black Shadow” oder die originale 1939 TT-Maschine von Schorsch Meier, heute im Besitz von John Surtees. Die Leute vom BMW Club England waren super freundlich, haben uns eingeladen, auch Details der Maschine ganz nah zu fotografieren und betonten ohne Unterlaß, daß der Schorsch kurz vor seinem Tod noch einmal die Echtheit der Surtees- Maschine bestätigt hat.

Übrigens: zum Thema deutsche Zweiräder war es das auch schon. Wer also BMWs oder NSUs sehen möchte, ist auf deutschem Boden eher fündig.

Insgesamt waren schon rund 600 Maschinen, die in der Ausstellung zu sehen waren, sehr nett. Wieviel haben Sie auf der letzten Veterama davon gesehen?

Im Bild links eine 1928 Ascot Pullin, wir waren vereint der Meinung, daß das geflügelte Wort “Nicht schön, aber selten!” auf wenige Motorräder so zutrifft wie auf dieses. Aber, Schönheit entsteht ja bekanntlich im Auge des Betrachters.

 

Der Teilemarkt
Das Angebot an Teilen für historische Motorräder englischer Produktion war überwältigend. Angenehmer Nebeneffekt: auch die inzwischen auf einer Veterama stark, oft übergewichtig (in jeder Hinsicht!) vertretene Fraktion der 70iger Jahre Harleys glänzte in Stafford durch fast vollständige Abwesenheit.

Es dürfte kaum ein Teil geben, was in der Nachkriegszeit an einem englischen Motorrad verbaut wurde, welches nicht dort zu finden gewesen wäre. Vorkriegsproduktion gab es ebenfalls, aber häufiger in Form von (meist fast) kompletten (restaurierten oder unrestaurierten) Oldies. Bei einzelnen Teilen wurde es schon knapper. Insbesondere JAP Motorteile waren kaum zu orten, eine echte (negative) Überraschung. Im Bild rechts eine 500er ohv Sunbeam, Ende der zwanziger Jahre, in gutem, fahrbereitem Originalzustand für 3300 Pfund. Nicht restaurieren, sondern draufsetzen und fahren! Wir meinen: Top Angebot!

Neuteile wie Wasserabziehbilder und Gummiteile, aber auch Schraubenhändler gab es reichlich, einige Gesichter sind auch von den Märkten auf dem Kontinent bekannt.

Dabei ist das Preisniveau für Komplettfahrzeuge erstaunlich niedrig, wärend viele Teile für Euroland- Lohnbezieher eher knackig erschienen.

Fazit
Stafford ist eine Reise wert, falls man sich für englische Motorräder interessiert. Kontinentalproduktion findet man eher in Utrecht oder auf anderen, kontinentalen Märkten. Und wer nur zum schauen hinfährt, nimmt eine stressige Reise auf sich, bekommt aber auch eine Menge geboten!

 Im Bild: “Dad´s Bike”, eine W.E. Brough, Model “W”, als handlicher Bausatz. Trauriges Detail: dort, wo bei anderen Motoren die Kurbelwelle aus dem Gehäuse ragt, war hier nur ein klaffendes Loch. Angebote für dieses sehr rare Bike wurden ab 10.000 Pfund angenommen (Wechselkurs 3,3!) oder auch gegen ein “Son´s Bike” (heißt Brough Superior).. Sicher nicht wohlfeil, aber die Anzahl der Angebote dieser Marke erscheint doch eher übersichtlich.

 

 

 

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