Stafford Motorcycle Show 27.4.2002
Aber wie sind Teilemärkte auf der Insel?
Und die Veranstaltung? - “Well,” würde der Engländer sagen, ”if you are
looking for the right things, you’ll find them.” Das heißt im Klartext, daß Stafford nicht nur Teilemarkt, sondern auch eine große Show ist.
Auf der britischen Insel sind viele Dinge einfach anders. Man fährt links, nur weil Napoleon immer
rechts ging, der Währungsunion Euro hat man sich (offiziell) auch noch nicht angeschlossen, und trotz der vielen Niederschläge ist nicht nur Fußball populär, sondern Motorräder waren und sind es auch.
Übernachtet haben wir in der Nähe von Oxford bei unserem Motorradfreund
und Wahl-Engländer Martin. Rundgang durch Garage und Wohnzimmer- Museum sowie eine Menge Spaß inklusive. Danke, Martin, wir kommen gern wieder!
Die Show Zu sehen sind nicht nur die Brot- und Butter BSAs und Triumphs, sondern
auch sehr hochkarätige Zweiräder wie Vincent “Black Shadow” oder die originale 1939 TT-Maschine von Schorsch Meier, heute im Besitz von John Surtees. Die Leute vom BMW Club England waren super freundlich, haben uns eingeladen,
auch Details der Maschine ganz nah zu fotografieren und betonten ohne Unterlaß, daß der Schorsch kurz vor seinem Tod noch einmal die Echtheit der Surtees- Maschine bestätigt hat. Übrigens: zum Thema deutsche
Zweiräder war es das auch schon. Wer also BMWs oder NSUs sehen möchte, ist auf deutschem Boden eher fündig. Insgesamt waren schon rund 600 Maschinen, die in der Ausstellung zu sehen waren, sehr nett. Wieviel haben Sie auf der letzten Veterama davon gesehen? Im Bild links eine 1928 Ascot Pullin, wir waren vereint
der Meinung, daß das geflügelte Wort “Nicht schön, aber selten!” auf wenige Motorräder so zutrifft wie auf dieses. Aber, Schönheit entsteht ja bekanntlich im Auge des Betrachters.
Dutzende von Markenklubs, von AJS über MZ bis Zenith, stellen, buhlend um den Pokal “Best of Show”
ihre polierten Schätzchen aus. Man munkelt, daß einige der chromblitzenden Schönheiten reine Ausstellungsstücke seien und Details wie Kurbelwellen oder Zündung unter den polierten Deckelchen nicht funktionsbereit sind oder gänzlich fehlen. 

Der Teilemarkt
Es dürfte kaum ein Teil geben, was in der Nachkriegszeit an einem englischen Motorrad verbaut wurde, welches nicht dort zu finden gewesen wäre. Vorkriegsproduktion gab es ebenfalls, aber
häufiger in Form von (meist fast) kompletten (restaurierten oder unrestaurierten) Oldies. Bei einzelnen Teilen wurde es schon knapper. Insbesondere JAP Motorteile waren kaum zu orten, eine
echte (negative) Überraschung. Im Bild rechts eine 500er ohv Sunbeam, Ende der zwanziger Jahre, in gutem, fahrbereitem Originalzustand für 3300 Pfund. Nicht restaurieren, sondern draufsetzen und fahren! Wir meinen: Top Angebot!
Neuteile wie Wasserabziehbilder und Gummiteile, aber auch Schraubenhändler gab es reichlich, einige Gesichter sind auch von den Märkten auf dem Kontinent bekannt.
Dabei ist das Preisniveau für Komplettfahrzeuge erstaunlich niedrig, wärend viele Teile für Euroland- Lohnbezieher eher knackig erschienen.
Das Angebot an Teilen für historische Motorräder englischer
Produktion war überwältigend. Angenehmer Nebeneffekt: auch die inzwischen auf einer Veterama stark, oft übergewichtig (in jeder Hinsicht!) vertretene Fraktion der 70iger Jahre Harleys glänzte in Stafford durch fast vollständige Abwesenheit.
Fazit
Stafford ist eine Reise wert, falls man sich für englische Motorräder interessiert. Kontinentalproduktion
findet man eher in Utrecht oder auf anderen, kontinentalen Märkten. Und wer nur zum schauen hinfährt, nimmt eine stressige Reise auf sich, bekommt aber auch eine Menge geboten!
Im Bild: “Dad´s Bike”, eine W.E. Brough, Model “W”, als handlicher Bausatz. Trauriges Detail: dort, wo bei anderen
Motoren die Kurbelwelle aus dem Gehäuse ragt, war hier nur ein klaffendes Loch. Angebote für dieses sehr rare Bike wurden ab 10.000 Pfund angenommen (Wechselkurs 3,3!) oder auch gegen ein “Son´s Bike” (heißt Brough Superior)..
Sicher nicht wohlfeil, aber die Anzahl der Angebote dieser Marke erscheint doch eher übersichtlich.
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