BMW Preßstahlrahmenmodelle
Nachdem 1928 BMW große Fortschritte in der
Flugmotorenproduktion durch einen Lizenzvertrag mit Pratt & Whitney zu verzeichnen waren und, im gleichen Jahr, die Automobilproduktion aufgenommen wurde, galt es nun, die bereits etwas in die Jahre gekommene Motorradpalette zu
überarbeiten. Die Rohrrahmenmodelle waren zwar sehr schön anzusehen (und sind dies heute noch), die Haltbarkeit und Verwindungssteifheit der Konstruktion ließ jedoch zu wünschen übrig. Wir dürfen nicht vergessen: wenn wir heute diese Fahrzeuge
zwei Mal im Jahr zur Rallye rausholen und dabei 255 km auf erstklassigen Straßen zurücklegen, sind die Fahrwerke tadellos zu gebrauchen; aber die Randbedingungen waren in den zwanziger Jahren einfach anders. Ganz anders. Das Prinzip des
geschlossenen Doppelschleifenrahmens mit gezogener Kurzschwinge zur Vorderradführung wurde beibehalten; die Produktionsmethoden jedoch revolutionär verändert. Statt eines gemufften Rohrrahmens fand nun ein fertigungstechnisch einfacher
Preßstahlrahmen Verwendung. Die Modelle R 11 und R 16, welche im Modelljahr 1929 erschienen, verwendeten zunächst den detailmodifizierten Motor der R 62 und R 63. 1932 wurde dann die kopfgesteuerte R 16 mit zwei Amal
Vergasern statt eines BMW Dreidüsenvergasers ausgerüstet. Satte 33 PS Leistung reichten für immerhin 126 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Seitengesteuerte Modell R 11erhielt zunächst 1932 einen SUM Vergaser, 1934 dann zwei Amals, die für
immerhin 20 PS aus 750 cc (sv) ausreichten. Um die Verkäufe anzukurbeln, wurde das neue Modell im Werk ordentlich frisiert, mit einem wagemutigen Piloten versehen und auf die Landstraße München - Ingolstadt geschickt. Das war der Beginn
einer einzigartigen Serie von Geschwindigkeitsweltrekorden und die Geburtsstunde eines Helden: Ernst Henne scheuchte die BMW mit 216,750 km/h über die Straße und nahm der englischen Brough-Superior den Rekord ab. 1931 erschien dann das
zweite BMW Einzylindermodell, und diesmal sollte es ein Erfolg werden: die steuer- und führerscheinfreie R 2
erschien 1931 und wurde, mit einer Reihe von Modellpflege- maßnahmen, bis 1936 gebaut. Ab 1932 wurde dann die Lücke zwischen der 200cc R 2 und den 750cc Modellen R 11 und R 16 geschlossen: als leistungsstärkere 400cc Variante wurde die R 4
auf den Markt gebracht. Diese wurde bis 1937 in fünf Serien gebaut. 1935 wurden die Motoren der R 11 und R 16 in neue Fahrgestelle eingebaut und als R 12 und R 17
auf den Markt gebracht. Sahen die Rahmen noch ähnlich aus, und war das neue Vierganggetriebe eher ein Aufholen mit dem Wettbewerb (Zündapp!), so war die neue Vorderradgabel schlicht revolutionär: BMW hat zum ersten Mal (übrigens zeitgleich mit der dänischen Nimbus) die Telekopgabel in ein Serienmodell eingebaut! Das sorgte für internationale Achtungserfolge. Daß man ganz still und heimlich die völlig veraltete Kardanbremse ins Hinterrad verlegt hatte, fiel kaum weiter auf. Eine schöne Seite im Netz zum Thema
Das letzte Preßstahlrahmenmodell war die von der R 4 abgeleitete R 35. Der Hubraum, war auf 350cc abgespeckt und statt der Schwinggabel gab es nun eine (allerdings undegämpfte) Telegabel.
1940 wurde die Produktion nach Eisenach verlegt, wo dann nach dem Krieg die Fertigung zunächst als BMW R 35 weiterging. In einem Streit um die Markenrechte wurde aus der BMW später die EMW R 35, die, modellgepflegt mit HiRaFe als R 35 - 3
, insgesamt über 80.000 fach produziert wurde. Als Anekdote weiß der Chronist zu berichten, daß sogar sieben Exemplare den ganz offiziellen Exportweg nach Westdeutschland gefunden haben. Ziemlich genau 34 Jahre nach Einstellung der
Produktion.wurde diese Zahl dann, wiederum ganz offiziell, signifikant nach oben korrigiert...
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