BMW R 26 bis R 69S
1955 wird dann eine ganz neue Modellreihe bei BMW
entwickelt und aufgelegt, die das Programm 14 Jahre lang dominieren wird. Zunächst wird die Einzylindermaschine R 25/3 durch das neue Modell R 26 ersetzt, die R 50
ersetzt die R 51/3, nur die R 67/3 bleibt noch ein Jahr lang im Programm und wird dann durch die neue R 60 als bevorzugtes Seitenwagenmodell ersetzt. Dazu gesellt sich noch die neue Sportmaschine R 69
als Ablösung der R 68. 1960 erscheinen dann die Sportmodelle R 50 S und R 69 S
mit 35 resp. 42 PS Leistung. Diese waren zunächst nicht besonders standfest, die Mär von abgerissenen Zylindenr machte die Runde. Daher wurde die R 50 S schnell wieder aus dem Programm genommen und die 69S mit verschiedenen Maßnahmen, insbesondere einem Schwingungsd#ämpfer auf der Kurbelwelle vorn, standfest gemacht.
Die Motoren sind sehr ähnlich den der R 51/3,
R 67/2 und R 68 (aber auf den ersten Blick zu erkennen: Schwingenmodell-Motoren haben die Motornummer rechts, Geradwegsferungsboxer links eingeschlagen). Aber die Fahrgestelle sind grundlegend neu: In den den Schleifenrahmen
aus nahtlosem, konisch gezogenem Rohr werden nun eine Hinterradschwinge mit Kardan im rechten Schwingenholm und eine Earles-Vorderradgabel (geschobene Langschwinge) eingesetzt. Die Gebirtsstunde der Gummikuh kann gefeiert werden. Das
Aufstellmoment des Kardanantriebes beim
Gasgeben hinten und das Aufstellen der
vorderen Schwinge beim Bremsen vorn geben ein subjektives Gefühl des sehr weichen und komfortablen Fahrens. Auf geraden Strecken und im Gespannbetrieb als “Sänfte” gelobt, hat sich das Gerücht des “gefährlichen” und
“schwammig-weichen” Fahrens bis heute gehalten (siehe den Motorrad-Classic-”Test” von Herrn Illg, der eine R 50 im Gespann mit einem MZ Gespann vergleicht und zu dem Schluss kommt: Im Gespann selbst modernen
Fahrzeugen ebenbürtig, solo fast unfahrbar.).
Zugegeben, das fahren muß man schon gelernt
haben. Wer es aber mit der Gummikuh drauf hat, kann es auch auf bergigen und kurvigen Strecken durchaus mit den Engländern aus der Zeit aufnehmen, selbst moderne Motorräder fahren einem nicht so ohne weiteres weg. Man
muss jedoch bereit sein, fehlende Motorleistung und ein langsamschaltendes Getriebe durch den entsprechenden Wagemut zu ersetzen...
Die Bilder zeigen eine R 60/2 aus dem Jahre 1963 mit dem oft als Sonderzubehör von BMW verkauften “Schorsch Meier Tank” und der optional erhältlichen “Schorsch Meier Sitzbank”
Weil insbesondere Amerikaner mit der geschobenen Schwinge so schlecht zurechtkamen, wenig im
Gespann fuhren (und das amerikanische Produkthaftungsgesetz hohe Schadenersatzklagen für konstruktionsbedingte Stürze vorsah), hat BMW ab 1967 spezielle USA Modelle (R 50 US, R 60 US, R
69 S US) exportiert. Dort wurde die Telegabel der Geländesport- Werksmodelle eingebaut, ein hoher Lenker und eine breite Sitzbank angeschraubt und schon war der (überlebenswichtige) US-Markt
gerettet. Leute hier in Deutschland, die diese Gabel gern an Ihrem Motorrad gesehen hätten, konnten diese nicht für Geld und nicht für gute Worte bekommen. Zumindest nicht an Ihrem Schwingenmodell,
denn die gleiche Gabel wurde dann in der neuen “/5” Serie eingebaut, die 1969 die Schwingenmodelle ablöste.
1960 erfahren die Schwingenmodelle eine Neuauflage: Aus dem 250cc Modell R 26 wird die R 27 mit nun 18 PS aus dem gummigelagerten “Schwebemotor”, die R 50 mutiert modellgepflegt zur R 50/2 mit
26 PS, dasselbe erfährt die R 60 (mit nun 30 PS), und die R 69 wird zur 42 PS starken R 69 S. Diese Leistung soll bis zum Ende der 60iger reichen, ehe das Land der aufgehenden Sonne in Form der Honda CB 750 erbarmungslos zum Schlag ausholt.
Die Schwingenmodelle waren sehr
beliebt und außerordentlich standfest. Das wußten vor allem Behörden auf aller Welt zu schätzen, wo viele Exemplare über hundert tausend Kilometer zurücklegen mußten. Wie das Foto zeigt, sollten auch die gelben Engel des ADAC viel Freude an
Ihrem Arbeitsplatz haben. Das abgebildete Gespann gehört immer noch zum ADAC Fuhrpark und wird von Horst Bork aus Castrop Rauxel gepflegt und zur Ibbenbürener Pfingstrallye als symbolischer Pannenhelfer bewegt.
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