Nimbus
Der dänische Motorradhersteller Nimbus ist in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Firma: erstens ist
es der einzige nenneswerte Hersteller von Motorrädern in der Geschichte seines Landes. Zweitens wurden trotz einer langen Produktionszeit (1919 bis 1929 und 1934 bis 1960) nur insgesamt 2
Modellreihen gebaut, die schlicht Nimbus A (bis 1923), Nimbus B (1924 bis 1929) und Nimbus C hiessen. Dabei unterschieden sich A und B nur in Details, insbesondere an der Gabel. Drittens wurden,
trotz bereits sehr frühem Produktionsbeginn, ausschliesslich 4-Zylinder- Reihenmotoren in die beiden jeweils sehr unkonventionellen Fahrgestelle eingebaut. So war der Begriff Nimbus (Heiligenschein) schon ein wenig begründet. Die Nimbus A und B (sie wird aufgrund der ungewöhnlichen Rahmentankform auch “Ofenrohr-Nimbus”
genannt) wurde 1252 mal gebaut. Neben dem von FN inspirierten Vierzylindermotor hatte dieses Modell bereits eine Hinterradschwinge, die eine paarweise Verwendung von Federbeinen vorsah (damit war
man seiner Zeit mindestens 15 Jahre voraus) und im linken Schwingenholm die Kardanwelle untergebracht hatte! BMW baute zum Zeitpunkt der Markteinführung der Nimbus noch keine Motorräder,
und deren Markenzeichen, der Wellenantrieb, wurde erst 1955 in den Schwingenholm verlegt. Von diesen Motorrädern sind nur noch wenige erhalten, ein Spezialist verriet mir, das höchstens 30 Exemplare bekannt seien.
Die Nimbus IG Deutschland hat eine hervorragende Internet-Präsenz ins Netz gestellt, bei der keine Wünsche offen bleiben. Ersatzteillisten, Reparaturanleitungen und viele Bilder, Tipps und Tricks machen
diese Seite zum unentbehrlichen Werkzeug insbesondere für Nimbus C.
Bei der Nimbus A und B war die Gassteuerung der Antriebsquelle noch nach
dem ioe-Prinzip (inlet over exhaust, oder zu deutsch “wechselgesteuert”), während bei der Nimbus C bereits 1933 ein ohc-Motor (obenliegende Nockenwelle durch eine Königswelle gesteuert) entworfen und ab 1934 eingebaut wurde. Wer
jetzt meint, dass es sich bei diesem Modell um ein aus- gesprochenes Sport- motorrad handelt,. irrt gewaltig. Selbst das spätere ohc-Modell hatte laut Lastenheft lediglich 60km/h auf dänischen
Landstrassen schnell zu sein. Diese wurden jedoch problemlos erreicht und übertroffen.
Das Modell Nimbus C ist auch in Deutschland durchaus häufiger anzutreffen. Aufgrund der
dänischen Steuergesetzgebung in vielen Fällen mit einem Seitenwagen versehen, ist das werksseitig in kräftigem rot, blau grün oder gelb lackierte Motorrad ein zuverlässiger Weggefährte. Wegen der nur 2-fach
gelagerten Kurbelwelle mag der Motor keine hohen Drehzahlen, aber ist durchzugsstark und so zum Seitenwagenbetrieb hervorragend geeignet. Insgesamt wurden 12715 Exemplare der zweiten Nimbus gebaut. Davon existieren noch ungefähr 4000
Stück. Die Eigner der Fahrzeuge profitieren heute noch von einem Nato-Beschluss, nach dem ausreichende Stückzahlen von Ersatzteilen für jedes Fahrzeug gelagert werden mussten. Und schliesslich
waren die dänischen Behörden ein Hauptabnehmer der Motorradfabrik Fisker und Nielsen. Die Fabrik existiert heute noch in Kopenhagen und baut unter dem Markennamen “Nilfisk” Staubsauger und Industrie-Reinigungsgeräte.
Weitere Infos zu Nimbus im Internet:
Nimbus C Fotodokumentation
Nimbus C technische Daten
Nimbus C technische Tips
Das Mekka der Nimbus Fahrer ist, wie könnte es anders sein, Kopenhagen. Im dortigen Vergnügungs- park “Tivoli” gibt es die “Nimbus-Bar”, in der viele Kuriositäten rund um das
Motorrad ausgestellt sind. Unter anderem befindet sich dort auch das hier gezeigte Schnittmodell einer Nimbus C. Der Besuch lohnt also für alle Oldtimer-Freunde, und natürlich gibt es auch für den Rest der Familie viele
schöne Stunden dort zu erleben. Da lässt sich doch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden...
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