
Ruhrtal-Motorradwerke RMW
Als Daniel Blecher und Karl Haardt 1919 eine Fahrradfabrik gründeten, ahnten sie sicher nicht, daß fast 80 Jahre später eine Schulklasse am Ort eine Arbeitsgemeinschaft
gründet, um die Geschichte dieses herstellers zu recherchieren und der Nachwelt zu erhalten. Schön, daß man im Sauerland auf Tradition setzt, und deswegen hat
BLEHA, entstanden aus den Namen der Gründer Blecher und Haardt, begannen, wie viele Firmen nach dem Ersten Weltkrieg mit der Produktion von Fahrrädern. Doch schon bald, wahrscheinlich 1922, wurde die Fertigung auf
Motorräder ausgeweitet. Die Motoren stammten von DKW, hatten 143cc und 1,5PS, während die Fahrgestelle aus eigener Herstellung waren. Mitte der zwanziger Jahre traf ein erster Schicksalschlag die Firma: Daniel Blecher stirbt in
jungen Jahren, und Karl Haardt führt die Geschäfte als “Ruhrtal Motorradwerke” weiter. Rennen wurden gefahren und manchmal auch gewonnen, was den Vertrieb ankurbelte und 1927 Kapital für die Entwicklung eines
eigenen 250cc Motors bereitstellte. Es wurden darüber hinaus auch Einbaumotoren bis zu 600cc verwendet. Hier bei
Durch die Politik der Nazis mußte Phönix ab 1936 auch die größeren Motoren, die bis dahin aus dem Ausland bezogen wurden (bis auf den 600cc von Siemens-Halske in Berlin), selber produzieren. In Neheim wurden
Lizenzprodukte von Bark/ Dresden und, in kleiner Zhal, auch Küchen gebaut. Alles in allem war Phönix eine erfolgreiche Marke und konnte seine Position im Markt in den dreißiger Jahren behaupten.
Ab 1940 wird bei RMW nicht mehr produziert, lediglich Reparaturen werden noch durchgeführt. Nach einer Durststrecke, in der Küchenmaschinen und andere Güter, die im Nachkriegsdeutschland dringend benötigt wurden,
gibt es auch wieder Phönix Motorräder. Zunächst mit eigenem Motor, später mit Ilo Einbauaggregaten. Aber diesmal war dem Phönix, der aus der Asche entsprang, kein erfolgreicher Flug vergönnt. Die neuen Modelle fanden wenig
Käufer, so daß ab 1953 die Belegschaft kontinuierlich verkleinert wurde. Auch das 1956 vorgestellte “Phönixchen”, ein 50cc-Moped mit 2-Gang-Ilo, konnte den Untergang nicht aufhalten, so daß 1957 die Produktion bei RMW
eingestellt wurde (für die Marketingexperten unter den Lesern wohl eher kein Wunder, bei dem Produktnamen). Mehr über die Geschichte der Ruhrtal-Motorradwerke gibt es in dem Buch “BLEHA, Phönix, RMW - Motorräder aus
Neheim”, welches auch bei der Stadt Arnsberg bestellt werden kann. Das Buch ist ein Projekt des Kulturbüros der Stadt Arnsberg, dem Heimatbund und verschiedener Schulen, undbietet aufwändig recherchierte Informationen für
kleines Geld: der aktuelle Preis liegt nicht vor, aber das Buch wurde früher für ca. 20 DM versendet. ISBN 3-928394-14-2, email
Als 1982 eine Autobahn in Neheim, im Sauerland in der Nähe von Arnsberg, gebaut wird, müssen ein paar alte Fabrikgebäude weichen. Eigentlich nichts besonderes, im Laufe der Generationen werden stetig Steine mühsam
aufeinandergelegt und mit einem einzigen lauten Knall wieder gesprengt. Für “Archäologen in Sachen Motorrad” war diese Sache schon etwas besonderes. Dort, wo gerade noch Fabrikhallen standen, wurden Motorräder der Marken Bleha,
RMW und Phönix gebaut.
Es entstehen neue Fahrgestelle, mit gesenkgeschmiedeten Muffen, die hartverlötet werden. Rahmenbrüche, früher oft reklamiert, gehören ab sofort der Vergangenheit an. Zur gleichen
Zeit beginnt die Entwicklung eines eigenen Motors mit 12cc und 3 PS nach dem Zweitaktprinzip. Das erste Modell B2 aus der neuen Fertigung war ein richtig kleines Motorrad, völlig ohne den
etwas biederen Beigeschmack der frühen Leichtmotorräder, die mehr wie ein Fahrrad mit Hilfsmotor wirkten.
1929 ist der Laden bei RMW so richtig in Schwung
gekommen, so daß man 1932 ein neues Montagewerk im sauerländischen Wenholthausen aufbaut, wohl auch, um drohenden Preisregulierungsmaßnahmen zu entgehen. Die dort produzierten Motorräder erhalten den
Markennamen Phönix, der später auch be den in Neheim produzierten Typen Verwendung finden wird. Die neuen odelle bekommen eigene Motoren mit 125 - 250cc, und Getrieben von Getrag (4-Gang) und Burman (3-Gang). Übrigens:
wer ein modernes BMW Motorrad der R- oder K-Reihe sein eigen nennt, kennt auch Getriebe aus dem Hause Getrag, Ob in den zwanziger Jahren auch beim Gangwechsel das BMW-typische “klack” zu hören war?
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