Ruhrtal-Motorradwerke RMW

Als 1982 eine Autobahn in Neheim, im Sauerland in der Nähe von Arnsberg, gebaut wird, müssen ein paar alte Fabrikgebäude weichen. Eigentlich nichts besonderes, im Laufe der Generationen werden stetig Steine mühsam aufeinandergelegt und mit einem einzigen lauten Knall wieder gesprengt. Für “Archäologen in Sachen Motorrad” war diese Sache schon etwas besonderes. Dort, wo gerade noch Fabrikhallen standen, wurden Motorräder der Marken Bleha, RMW und Phönix gebaut.

Als Daniel Blecher und Karl Haardt 1919 eine Fahrradfabrik gründeten, ahnten sie sicher nicht, daß fast 80 Jahre später eine Schulklasse am Ort eine Arbeitsgemeinschaft gründet, um die Geschichte dieses herstellers zu recherchieren und der Nachwelt zu erhalten. Schön, daß man im Sauerland auf Tradition setzt, und deswegen hat motoclub.de etwas in der Geschichte der Ruhrtal-Motorradwerke gestöbert.

BLEHA, entstanden aus den Namen der Gründer Blecher und Haardt, begannen, wie viele Firmen nach dem Ersten Weltkrieg mit der Produktion von Fahrrädern. Doch schon bald, wahrscheinlich 1922, wurde die Fertigung auf Motorräder ausgeweitet. Die Motoren stammten von DKW, hatten 143cc und 1,5PS, während die Fahrgestelle aus eigener Herstellung waren. Mitte der zwanziger Jahre traf ein erster Schicksalschlag die Firma: Daniel Blecher stirbt in jungen Jahren, und Karl Haardt führt die Geschäfte als “Ruhrtal Motorradwerke” weiter.


Es entstehen neue Fahrgestelle, mit gesenkgeschmiedeten Muffen, die hartverlötet werden. Rahmenbrüche, früher oft reklamiert, gehören ab sofort der Vergangenheit an. Zur gleichen Zeit beginnt die Entwicklung eines eigenen Motors mit 12cc und 3 PS nach dem Zweitaktprinzip. Das erste Modell B2 aus der neuen Fertigung war ein richtig kleines Motorrad, völlig ohne den etwas biederen Beigeschmack der frühen Leichtmotorräder, die mehr wie ein Fahrrad mit Hilfsmotor wirkten.

Rennen wurden gefahren und manchmal auch gewonnen, was den Vertrieb ankurbelte und 1927 Kapital für die Entwicklung eines eigenen 250cc Motors bereitstellte. Es wurden darüber hinaus auch Einbaumotoren bis zu 600cc verwendet.

Hier bei motoclub.de gibt es den Restaurierungsbericht der größten, und wohl auch seltensten noch existierenden RMW mit 600cc Siemens- und Halske Motor. Die Motoren sind von Mabeco in Berlin gekauft worden, als diese die Produktion runterfuhren und Lagerbestände durch direkten Verkauf abbauten. Dieser Motor ähnelt edem amerikanischen Indian- Scout Motor sehr stark. Genaugenommen wurde bei Siemens, traditionell eher mit elektrischen Aggregaten als mit Verbrennungsmotoren beschäftigt, abgekupfert, was das Zeug hielt. So viel zu der Mär, die Japaner wären die einzigen, die so etwas tun würden, auch deutsche Traditionsunternehmen können da mithalten.

1929 ist der Laden bei RMW so richtig in Schwung gekommen, so daß man 1932 ein neues Montagewerk im sauerländischen Wenholthausen aufbaut, wohl auch, um drohenden Preisregulierungsmaßnahmen zu entgehen. Die dort produzierten Motorräder erhalten den Markennamen Phönix, der später auch be den in Neheim produzierten Typen Verwendung finden wird. Die neuen odelle bekommen eigene Motoren mit 125 - 250cc, und Getrieben von Getrag (4-Gang) und Burman (3-Gang). Übrigens: wer ein modernes BMW Motorrad der R- oder K-Reihe sein eigen nennt, kennt auch Getriebe aus dem Hause Getrag, Ob in den zwanziger Jahren auch beim Gangwechsel das BMW-typische “klack” zu hören war?

Durch die Politik der Nazis mußte Phönix ab 1936 auch die größeren Motoren, die bis dahin aus dem Ausland bezogen wurden (bis auf den 600cc von Siemens-Halske in Berlin), selber produzieren. In Neheim wurden Lizenzprodukte von Bark/ Dresden und, in kleiner Zhal, auch Küchen gebaut. Alles in allem war Phönix eine erfolgreiche Marke und konnte seine Position im Markt in den dreißiger Jahren behaupten.

Ab 1940 wird bei RMW nicht mehr produziert, lediglich Reparaturen werden noch durchgeführt. Nach einer Durststrecke, in der Küchenmaschinen und andere Güter, die im Nachkriegsdeutschland dringend benötigt wurden, gibt es auch wieder Phönix Motorräder. Zunächst mit eigenem Motor, später mit Ilo Einbauaggregaten. Aber diesmal war dem Phönix, der aus der Asche entsprang, kein erfolgreicher Flug vergönnt. Die neuen Modelle fanden wenig Käufer, so daß ab 1953 die Belegschaft kontinuierlich verkleinert wurde. Auch das 1956 vorgestellte “Phönixchen”, ein 50cc-Moped mit 2-Gang-Ilo, konnte den Untergang nicht aufhalten, so daß 1957 die Produktion bei RMW eingestellt wurde (für die Marketingexperten unter den Lesern wohl eher kein Wunder, bei dem Produktnamen).

Mehr über die Geschichte der Ruhrtal-Motorradwerke gibt es in dem Buch “BLEHA, Phönix, RMW - Motorräder aus Neheim”, welches auch bei der Stadt Arnsberg bestellt werden kann. Das Buch ist ein Projekt des Kulturbüros der Stadt Arnsberg, dem Heimatbund und verschiedener Schulen, undbietet aufwändig recherchierte Informationen für kleines Geld: der aktuelle Preis liegt nicht vor, aber das Buch wurde früher für ca. 20 DM versendet. ISBN 3-928394-14-2, email stadt-arnsberg@t-online.de, Ansprechpartner ist Mit-Herausgeber  Christof Wolff.

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