Wanderer Motorräder
Entstanden aus einem Fahrradladen, gründeten Johann
Baptist Winkelhofer und Richard Adolf Jaenicke, die sich auf einem Fahradfahrerlehrgang kennengelernt haben sollen, 1885 die “Wanderer Fahrradwerke AG” in Schönau bei Chemnitz (der Eintrag der Firma erfolgte am 26.2.1885 in das Handelsregister
des königlichen Amtsgerichtes). Am 15.5.1896 wird die Gesellschaft in eine AG umgewandelt und heißt nun Wanderer-Fahrradwerke AG, vorm. Winklhofer & Jaenicke). Nachdem die Produktion bei Wanderer von Fahrrädern bereits auf
Werkzeugmaschinen und Schreibmaschinen ausgeweitet wurde, baute man ab 1902 auch Motorräder. Ab dem 15.1.1908 fand dies auch Berücksichtigung im Namen der Firma, die nun als Wanderer-Werke, vorm. Winklhofer & Jaenicke firmiert. Zu diesem
Zeitpunkt waren jedoch die Firmengründer lange aus dem Unternehmen ausgeschieden (1897 ging Jaenicke, ab 1902 auch Winklhofer, der aber noch lange im Aufsichtsrat der AG aktiv war). (Vielen Dank an den Leser A.Künzel, der einige Detailinfos
beitrug.) Grösstmögliche Fertigungstiefe und ausserordentliche Qualität und Präzision waren die Gebote der Stunde - bei Wanderer hatte man sogar ein eigenes Gewinde für Schraubverbindungen entwickelt! Die Produktion begann 1902 mit einem
Einzylindermodell und 1,5 PS. Der erste V 2 aus dem Hause Wanderer mit 408 cc Hubraum wurde immer noch in einem fahrradähnlichen Rahmen mit Tretkurbeln eingebaut. Während des ersten Weltkrieges wurden Wanderer Motorräder sehr häufig
insbesondere aufgrund ihrer Zuverlässigkeit eingesetzt. Diese erfolgreichen Modelle wurden dann nach dem Krieg mit vielen Detailverbesserungen weitergebaut, bis 1924 gleich zwei neue Modelle für Aufsehen sorgten: ein liegender Einzylinder mit
200 cc, und ein neues Flaggschiff, mit 708cc V-2 Motor. Das Besondere an diesen Maschinen: sie besassen nicht nur im Zylinderkopf hängende Ventile, sondern sogar deren 4 pro Zylinder. Das Bauprinzip gab es bereits vorher in anderen
Motorrädern, aber nicht in Serienmodellen, sondern in reinrassigen Rennmaschinen. Da diese Motorräder zwar hochwertig, langlebig und ausgereift waren, jedoch auch zu den teuersten am Markt zählten, erschienen Ende 1926 neue Modelle mit 196
cc und 748 cc, jeweils 2-Ventile hängend im Brennraum (ohv). Trotzdem galten auch diese Fahrzeuge als der pure Luxus zu jener Zeit. Preiswertere Modelle mussten her, so wurde die Produktion einer einfacheren 500 cc Einzylinder-Maschine 1927
begonnen. Dieses Fahrzeug verfügte über den (kostengünstigeren) Presstahlrahmen und Kardanantrieb, war jedoch nicht ausgereift, so dass viele Reklamationen die Marge bei dem scharf kalkulierten Preis auffrassen. 1929 stellte die Wanderer AG
die Produktion ein. Ein Teil der Fertigungsanlagen übernahm NSU, die Produktionsanlagen samt Konstruktionszeichnungen und Fertigungsrechte für das glücklose Wanderer K 500 Modell übernahm Frantisek Janecek in Prag, der so sein erstes
Janecek-Wanderer Motorrad baute, kurz Jawa. Bis 1933 wurde die K 500 mit laufenden Detailverbesserungen dort noch weitergebaut. Heute gehört dieses Fahrzeug zu den ganz raren Motorrädern. Nach dieser Zeit wurden bis 1944 noch Motorfahrräder
mit 98 cc “Trampel-Sachs” gebaut. Diese Modelle, häufig in Zweifarbenlackierung hellgrün/dunkelgrün oder schwarz/silber gehalten, sind noch recht häufig anzutreffen und hatten seinerzeit schon nicht mehr den sagenhaften Ruf der Wanderer
Motorräder. Hier geht´s zur Wanderer



Wanderer 1,5 PS (ab 1902)
Wanderer 4 PS Heeresmodell(1914)
Wanderer 3 PS (1919)
Wanderer K 500 (1929)
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