AWO / Simson 425

Die russischen Besatzer im Ostteil Deutschland hatten Ende der 40iger Jahre den Ingenieuren Ewald Dähn und Helmut Pitz den Auftrag gegeben, ein Motorrad zu entwickeln. Weil er vor dem Krieg eine Ausbildung zum Fahrzeugmechaniker absolviert hatte, wurde Dähn zum Projektleiter ernannt. Sein Team bestand aus hervorragenden Leuten, die bislang im Waffenbau beschäftigt war. Dähn fuhr also nach Berlin, wo bereits die ersten BMW R24 wieder in den Verkaufsräumen standen. Dort hat er sich Ideen geholt, wie das neue Motorrad auszusehen hatte, nachdem die Russen das Lastenheft aus einem BMW Prospekt kopiert zu haben schienen: 250 cc, 12 PS bei 5600 U/min, Viergang, Wellenantrieb (Ketten waren zu der Zeit im Ostteil überhaupt nicht verfügbar), 100 km/h und 3l Kraftstoff pro 100km.

Im Sommer 1949 waren die ersten Prototypen fertig, zur Serienreife wurde dann bis Anfang 1950 weiterentwickelt. Wobei Detailverbesserungen und Modellpflege bis ca. 1955 weiterbetrieben wurde. Danach wurde die Fertigung bis zum angeordneten Produktionsstopp Ende 1960 (Tourenmodell) bzw 1961 (Sportmodell).

Da nicht das gesamte Material für das Motorrad in der DDR zu beschaffen war, wurden die ersten Motorräder (bis ca. 1952) aus teurem Chrom-Molybdänstahlrohren, die bei Kronprinz in Solingen bezogen wurden, gefertigt. Dieses Material ist sehr leicht, extrem haltbar und aufgrund der aufwendigen Herstellung entsprechend teuer.

Gegenüber der BMW verfügte die AWO über eine ganze Reihe von Detailverbesserungen: Der Magnetzünder liess das Fahrzeug auch bei entladener Batterie startbereit bleiben, die Steuerung der halbhohen Nockenwelle erfolgte per Stirnrad und nicht per Kette, Haarnadelventilfedern suggerierten einen sportlichen ohv-Kopf und ein Luftschacht direkt oberhalb des Brennraumes verbesserte erfolgreich die Kühlung des Zylinderkopfes. Die Suhler kamen so ohne den bei BMW eingeführten und bis zur BMW R 26 beibehaltenen “Mohrenkopf” mit schwarzem Lack aus.

1956 kam dann noch ein weiteres Modell aus der Entwicklungsabteilung auf den Markt: Die Weihnachten 1955 präsentierte AWO 425 S hatte einige Verbesserungen zu bieten. So wurde nun die Hinterradführung über eine gezogene Schwinge vorgenommen. Die Räder hatten 18 Zoll Durchmesser, die Schwingsättel wurden durch eine Sitzbank (später zwei Sitzkissen) abgelöst und der Motor leistete nach einer gründlichen Überholung nun 14 PS (später 15,5 PS).

Es gab auch Sonderversionen mit 350 cc, diese wurden jedoch nur als Eskortenfahrzeuge und für Geländewettbewerbe hergestellt.

Nach Einstellung der Produktion wurden die Fahrzeuge in der DDR teilweise liebevoll gepflegt, teilweise von der Jugend zu “Choppern” umgebaut. War dieses Motorrad doch für fast 30 Jahre der letzte Viertakter, der im Ostteil Deutschland zu haben war!

Ein solches, immer noch moderat umgebautes Fahrzeug war mein erster Oldtimer. Am historischen Datum 3.Oktober 1989 als Gespann mit dem schönen Stoye 1 gekauft, habe ich ein Jahr lang eine Totalrestauration durchgeführt. Lackierung, Chrom und Technik wurde total überholt. Als Technik-Tips habe ich aus dieser Zeit noch einiges anzubieten:
- Schwachstelle des Motors sind die Auslassventile. Mir ist zwei Male ein solches am Teller abgerissen. Da es sich seinerzeit um das erste von mir restaurierte Fahrzeug handelte, will ich gar nicht aussschliessen, dass auch ein Montagefehler die Ursache dafür war; heute würde ich jedoch aus Sicherheitsgründen in jedem Fall eines aus neuerer Produktion einbauen.
- Die Bremsankerplatte vorn ist mit nur zwei Zapfen in der Gabel gegen Verdrehen gesichert. Diese brechen schon mal gern ab. Ich würde mir bei Gelegenheit eine gute Bremsankerplatte auf Reserve legen.

Folgende Seiten beschäftgen sich im Internet mit der AWO:

www.awo425.de
http://www.oldtimer.profi.cc/
http://home.t-online.de/home/plomtscher/main.html
Technische Daten AWO 425 T
Technische Daten AWO 425 S

AWO.-Forum

Touren-AWO-Infoseite

AWO-Bikes

AWO-Stammtisch

 

Literaturtip:

 Andy Schwietzer beschreibt in seinem Buch “Motorradland DDR” eingehend die Fahrzeuge aus dem Suhler Simson-Werk. Viele Fachinformationen und Fotos machen dieses Buch zum “muss” für AWO Besitzer.

Erschienen im Johann-Kleine Vennekate Verlag, Lemgo. Sie können das Buch direkt online beim Verlag bestellen, einfach auf das Buch klicken!

 

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