Öle und Schmierstoffe

Seit bestehen von motoclub.de sind so viele Anfragen zum Thema Oldtimer-Öl gekommen, daß wir nun extra eine Seite zum Thema machen. Also los geht’s:

Motoröl
Das ist ein heikles Thema. Da haben die Oldtimer-Fahrer in jahrelanger Arbeit nach dem eigentlichen Feierabend ihr wertvolles Stück wiederhergestellt. Soll das gute Stück auch in Betrieb genommen werden (dafür wurde es gebaut), stellt sich die Frage nach dem Motoröl. Aber welches Öl ist für den alten Motor nun das richtige? Gescheite Leute fragen? - Klappt selten. Man erhält ungefähr so viele unterschiedliche Antworten wie man Leute gefragt hat. Und meistens ist man so klug wie vorher, und dazu noch verunsichert. Fangen wir mal systematisch an:

Die Ölqualität
Die Qualität eines Öles wird seit Jahren bereits nach API-Klassen sortiert. Mittlerweile erfüllt heute bereits billiges Baumarktöl die Spezifikation von API SF/SG. Das ist besser als alles andere, was mach noch vor 20 Jahren für Geld kaufen konnte. Und die meisten unserer Motorräder liefen ja viel früher. Generell gilt: Machen Sie sich keine Sorgen, die Qualität stimmt auch bei den preiswerten Sorten. Aber ein Erstraffinat sollte es schon sein.

Die Viskosität
Viskosität ist eine definierte Zähflüssigkeit des Öles. Die Viskosität wird in SAE-Klassen (Society of American Engineers) angegeben. So ist SAE 10 ein sehr dünnes ÖL, SAE 30 eine mittlere Viskosität, und SAE 50 sehr dückflüssiges Öl.

Die richtige Viskosität zu verwenden, ist sehr wichtig, aber leider auch schwierig. Folgende Einflußfaktoren spielen eine Rolle:
Außentemperatur: Vom Kühlsystem eines Motors wird eine bestimmte Energiemenge abgeleitet. Diese benötigt eine Temperaturdifferenz zwischen Motor und Umgebung. Erreicht der Motor bei kalter Witterung (0 Grad) und einer bestimmten Belastung vielleicht 80 Grad Öltemperatur, wird bei gleicher Last und 25 Grad Außentemperatur 105 Grad Öltemperatur erreicht. Je wärmer der Motor, desto dünner das Öl, daher verwendet man im Winter dünnere Öle als im Sommer. Diese dünnen Öle für den Winterbetrieb haben ein “W” nachgestellt (z.B. SAE 15W). Sommeröle heißen nur z.B. SAE 30.
Betriebstemperatur des Motors: Manche Motoren werden konstruktiv wärmer als andere (z.B. weil den hinteren Zylinder eines Harley-Twin nur die vorgewärmte Luft des vorderen erreicht). Je höher die Temperatur, desto höher muß die Viskosität sein (und damit die SAE-Zahl).
Lagerung der Wellen: Gleitlagermotoren haben gern dünneres Öl, damit beim Kaltstart die Lager schnell mit Öldruck versorgt werden. Rollengelagerte Motoren mögen etwas dickeres Öl, welches dann gut in den Lagern haften bleibt.

Mehrbereichsöle
Moderne Öle suchen sich ihren “Arbeitspunkt” innerhalb weiter Grenzen selbst. SAE 15 W - 40 bedeutet, daß es sich um ein Öl handelt, welches im Winter dünn wie ein Winteröl der Viskosität 15 W ist, und im Sommer dann dickflüssig wie ein Sommeröl der Viskosität SAE 40 ist.

Reinigung
Neben der schmierenden Wirkung hat das Öl noch zwei andere Aufgaben:
Kühlung: Das Öl nimmt die Wärme am Zylinder auf und transportiert diese zum Motorgehäuse und in die Ölwanne; dort kühlt es ab und gelangt wieder in den Kreislauf.
Reinigung: Dies ist der kritischte Nebeneffekt der Ölwirkung. Das Öl soll den Abrieb aufnehmen und dort hin transportieren, wo er ungefährlich ist. Und hier wird es nun kritisch, da muß man aufpassen:
Früher wurden keine Filter eingesetzt, höchsten grobmaschige Siebe, die verhindern, das lose Schrauben in den Schmierkreislauf gelangen. Das Öl hat den Abrieb aufgenommen, und in der Ölwanne einen Ölschlamm gebildet, der von Zeit zu Zeit nach Demontage entfernt wurde.
Modernes Öl hält den Schmutz in der Schwebe, um Ölverschlammung vorzubeugen; beim nächsten passieren des Hauptstromölfilters wird der Schmutz ausgesiebt, und gereinigtes Öl zu den Schmierstellen transportiert.

Und jetzt heißt es aufgepasst: Wenn ein modernes Öl in einem Motor ohne Feinstfilter verwendet wird, wird der Schmutz permanent in der Schwebe gehalten, umgewälzt und immer wieder zu den Schmierstellen gefördert; dies verursacht erhöhten Verschleiß. Abhilfe: Öl öfter wechseln. Und falls der Motor nicht penibel von innen gereingt wurde, tendieren insbesondere synthetische Öle dazu, alte Ablagerungen zu lösen und den ganzen Dreck dann im Motor wieder und wieder umzuwälzen. Das ist doch nicht wirklich das, was Sie ereeichen wollten, als Sie die Scheine für das teuerste Öl im Laden hingeblättert haben, oder?

Und nun die Tips aus der motoclub.de- Praxis (allerdings ohne Gewähr). Wir fahren in unseren Motorrädern folgende Öle:
BMW R 100 S, BJ. 1977: Feinstfilter ist drin, gleitgelagerter Motor, der Boxer erhält ordinäres SAE 15 W - 40 aus dem Baumarkt, mittlere Preisklasse heute ist um Längen besser als das beste Zeug von 1977. Wechsel nach ca. 5000km.
BMW R 60/2, Bj. 1963: Hat auch einen Feinstfilter (Zentrifugalringe auf der Kurbelwelle), wird nur bei Temperaturen über 10 Grad gefahren, bekommt legiertes Einbereichsöl SAE 30 HD. Wechsel nach ca. 2500km.
Zündapp KS 500, Bj. 1937: Der Baumwollgaze-Filter ist ausgebaut und totgelegt, daher verwendet wir unlegiertes SAE 30. Wechsel alle 1500km (das sind 2 Jahre!).
D-Rad R 0/4, Bj 1927: Kein Filter, keine abnehmbare Ölwanne, allerdings wird der Single ganz schön warm. Damit der Ölverlust durch Undichtigkeiten begrenzt ist, verwenden wir unlegiertes SAE 40. Wechsl alle 1000km (2 Jahre).

Wer nun das richtige Öl für sich herausgefunden hat, steht aber noch vor dem Problem der Beschaffung. Castrol Classic Öle gibt es nicht mehr (es hat sich in den kleinen Mengen wohl trotz stolzer Preise nicht gelohnt). Aber es gibt noch einen englischen Traditionshersteller, der sich mit unseren kleinen Mengen abgibt und wo wir von motoclub.de fündig wurden: Miller Oils. Die sind sogar in ausgezeichneter Qualität!

Und noch besser: man kann dies auch in Deutschland einfach über’s Internet bestellen. Dies ist allemal einfacher als in den gelben Seiten nach Ölgroßhändlern zu suchen, die am Verkauf in unseren “homöopatischen Dosen” oft nicht interessiert sind.

Sie möchten mehr zum Thema Öle wissen? Vielleicht werden Sie hier fündig!

 

motoclub.de

Internet für Oldie-Fans