Jawa 175 Villiers Bj. 1936
Der folgende Restaurationsbericht ist uns von Besucher Marcus Noreika zur Verfügung gestellt
worden und beschreibt sehr schön die Restaurierung einer Jawa 175 mit einem englischen Villiers Motor. Die gesamte Aktion war nicht ohne Probleme, und dabei ist die fehlende Luftpumpe nur das kleinste Ärgernis gewesen.
Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen, Markus hat jedoch versprochen, uns auf dem Laufenden zu halten. Mit einem Foto, das dokumentiert, wie es einmal werden soll, geht´s los:
In diesem Bericht möchte ich zunächst einmal meine Erfahrungen, Enttäuschungen und Probleme
während der Restauration, die zur Zeit jedoch noch nicht abgeschlossen ist, darstellen. Es gibt mit Sicherheit einige Personen, die sich in diesem Bericht wiederfinden. Die techn. Daten,
Dokumentationsfotos, Informationen zu Historie, Kostenaufstellung und Kontaktadressen werden in diesem Bericht auch nicht zu kurz kommen.
Unter der E-Mailadresse Marcus@Noreika.de bin ich jederzeit zu erreichen und kann dem Einen oder Anderen weitere Informationen oder Tips geben.

So stellte sich das Motorrad beim Kauf dar. Sieht nach eingermassen viel Arbeit aus, oder?
So ging´s los: Ersatzteilsituation: Beigefügte Papiere:
Seit mittlerweile fast 11 Jahren bin ich im Besitz eines MG-B Roadster und habe schon ein paar Erfahrungen im Umgang mit Oldtimern sammeln können. Im April 2000 habe ich die JAWA von einem
ehemaligen Arbeitskollegen angeboten bekommen. Ich sollte mich schnell entscheiden (Anmerkung von motoclub.de: Hier hätte unser Bericht im Einkaufsführer leicht geholfen. Merke: keine Gelegenheit
ist einmalig...), da, wie üblich, noch angeblich weitere Interessenten vorhanden seien. Der Kaufpreis sollte zunächst 1400 DM betragen. Das Motorrad ist dann letztendlich für 1000 DM in meinen Besitz
übergegangen. Es war ein völlig unvorbereiteter "Schnellschuss", der mich im nachhinein noch eine Menge Ärger und Nerven gekostet hat. Mir war z.B. beim Kauf lediglich der Markenname JAWA
bekannt. Laut Aussage des Vorbesitzers sollte die Maschine komplett und im Originalzustand sein, was sich jedoch später als Trugschluss erwiesen hat.
Tip:
Jeder der sich ein Oldtimermotorrad zulegen möchte sollte sich vorher genauestens über die Ersatzteilsituation erkundigen und Dokumentationen zur Überprüfung der Originalität und Vollständigkeit sammeln.
Hier ein paar Beispiele
, welche Teile fehlten oder nicht original waren:
- Lenker war vorhanden, jedoch von einem Motorrad jüngeren Baujahres. (Form des Lenkers ist anders und Halterung für den Dekompressionszug fehlte. Die Griffe und Hebel
sind demnach auch falsch)
- Der Lenkungsdämpfer fehlt komplett.
- Ein Ständer war vorhanden, jedoch von einem völlig anderem Motorrad.
- Vergaser
schwimmergehäuse war aufgequollen und konnte nicht weiter verwendet werden. (Vergaser: IKOV)
- Rücklicht wurde komplett von einem Auto aus der Zeit verwendet.
- Auspuffanlage
wurde von einem jüngeren Baujahr verwendet, obwohl sie vom Aussehen gleich waren (Das Innere der Anlage ist vom Baujahr abhängig). Außerdem ist die Anlage zusammen-
gepfuscht worden. Die Halter waren versetzt, so dass die gesamte Anlage viel zu kurz war.
- Der komplette Nummernschildhalter fehlt.
- Die Luftpumpe fehlt.
- Die elektrische Hupe mit Halterungen fehlt.
- Die manuelle Hupe mit Gummiball fehlt.
- Schalthebel und Schaltgestänge sind unfachmännisch nachgebaut.
Hier in Deutschland
sind einzelne Ersatzteile ziemlich rar. Auf diversen Oldtimermärkten in der Nähe bin ich bis auf einen Vergaser und einer Ersatzteilliste leider noch nicht fündig geworden. Durch Zufall
habe ich eine Verkaufsanzeige einer JAWA 175 ccm Villiers Bj. 1934 im Internet gefunden. Das Motorrad ist komplett und sehr aufwendig restauriert und wurde mit einer Menge Ersatzteile angeboten.
Nach Kontaktaufnahme bezüglich der Ersatzteile war der Inhaber nicht gerade darauf versessen, die Teile einzeln abzugeben. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Onkel haben wir kurzerhand das
ganze Paket erworben, so dass sich die Ersatzteilsituation auf fast einen Schlag erledigt hat.
In Tschechien sieht die Situation viel besser aus. Als Herstellerland findet man auf Oldtimermärkten viel
mehr an diversen Teilen. Da ich jedoch nicht die Zeit habe, wegen eines Oldtimermarktes nach Tschechien zu fahren, wird mir diese Teilevielfalt noch eine Zeit vorenthalten bleiben. Auf einer
Oldtimerrallye, an der ich mit dem MG teilgenommen habe, lernte ich einen Herrn kennen, der ebenfalls eine JAWA hatte. Dieser ist gebürtiger Tscheche und fährt mehrmals im Jahr in die Heimat
und besucht Oldtimermärkte. Er hat z.B. in den letzten Herbstferien in meinem Auftrag eine komplette Auspuffanlage anfertigen lassen. Diese Arbeit wäre hier in Deutschland sehr teuer gewesen.
Das Motorrad wurde im Dezember 1999 offiziell nach Deutschland importiert. Die beigefügten Unterlagen bestanden aus den Zollpapieren und einer Museumsbescheinigung aus Prag mit sehr genauen techn. Daten. (natürlich auf Tschechisch)
Mit diesen Papieren sollte die Beantragung des deutschen Fahrzeugbriefs ohne große Hürden möglich sein.
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