You Know you want one

Restaurierungsbericht einer Brough Superior SS80 aus dem Jahre 1933

Teil 3: Was hatte ich da bloß gekauft?

Bereits nach einer Woche wusste ich mehr: Der Öltank entpuppte sich als besser als zunächst vermutet. Alles in allem brauchbar, reinigen, versiegeln und lackieren sollte reichen. Allerdings fehlten Teile der im Tank integrierten Handölpumpe. Diese wurden habe ich später beim Technical Adviser des Clubs, Dave Clark, in Auftrag gegeben, da ich keinen blassen Schimmer hatte, wie die Teile überhaupt aussehen sollten. Wenigstens war das einigermaßen komplizierte Unterteil vorhanden, das den kugelbestückten Umschalter zwischen Ansaugen und ausdrücken enthielt. Sogar der Öltankdeckel tut heute, gereinigt und poliert, auf dem Tank seinen Dienst.

Was ich beim ersten Zusammenbau nicht wusste: Die Handölpumpe wird durch zusätzliche, externe Ventile daran gehindert, durch den im Kurbelgehäuse herrschenden Unterdruck das Öl auch ohne Betätigung ins Kurbelhaus zu entlassen. Dazu reichen weniger als 70 km Fahrtstrecke, wie ich später ausprobieren konnte…

Anders der Benzintank: Unter den provisorisch aufgepappten Metallblechen herrschte das Grauen in seiner hässlichsten Ausprägung: Löcher in der Größenordnung von faustgroß bis Stecknadelkopf  klein mussten weich zugelötet werden, da schweißen oder hart löten den ab Werk aus einem guten Dutzend Einzelteilen weich zusammengelöteten Tank direkt zerstören würden. Aus Messingblech wurden Einsatzstücke gefertigt, und abschließend wurde dann noch alles sauber versiegelt. Nicht auszuschließen, dass hier irgendwann mal eine Neuanfertigung zum Zuge kommen wird. Aber immerhin waren die Fittings vorhanden, die untere Leitung zur Verbindung der Hälften und der Benzinhahn waren auch da. Letztere bekam neue Dichtungen aus Kork, und arbeitet seitdem zuverlässig.

Der Lenker glänzte durch völlige Abwesenheit, ebenso Magnetzünder und dessen Abdeckung, Vergaser, Schutzbleche und deren Streben, die Fußrasten und deren Halter, die beiden Tankdeckel, Auspuffkrümmer und die Fischschwanz-Endstücke,  die Werkzeugkästen, Stoßdämpfer der Castle-Gabel und deren Hebel, Horn und Tacho, und natürlich Dutzende von Kleinteilen. Von den Lenker-Hebeln waren die Innenzughebel da, aber bestenfalls geeignet als Muster, genau wie der Schalldämpfer.

Mir wurde schnell einiges klar: erstens brauche ich Hilfe, einige Dinge werde ich nie allein hinkriegen. Zweitens musste ich in den Brough Superior Club, um schnell an Informationen zu kommen und beim „Club Spares Scheme“ Teile beschaffen zu können. Drittens musste der Maschinenpark in der Werkstatt mindestens um eine Drehbank mit Fräsaufsatz erweitert werden. Und viertens beschloß ich meinen langjährigen Motorrad-Freund Uwe, der mir als „Berater“ beim Kauf die ganze Sache mit ‚eingebrockt’ hatte, mit mehreren Fotositzungen an seinen Brough Superior Motorrädern in die Pflicht zu nehmen.

Weiter mit Teil 4: Ein Motorrad besteht aus nur 2500 Teilen

 

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