You Know you want one

Restaurierungsbericht einer Brough Superior SS80 aus dem Jahre 1933

Der Tank

Der Tank wies einige Spuren eines bewegten Lebens auf. Neben ein paar kleineren Dellen hatte ich bereits beim Kauf erkannt, daß hier ein Blech von außen aufgebracht wurde. Dies macht der Motorrad-Bastler nur, wenn darunter das Grauen lauert. Und, was soll ich sagen, nach dem Entfernen des mit Spachtelmasse angeklebten Bleches sah ich das Grauen.

Nach dem vorsichtigen Glasstrahlen fiel die Analyse recht eindeutig aus: Neben ca. 50 kleinen, punktförmigen Durchrostungen (wahrscheinlich verursacht durch schlechte Blechqualität) gab es auf beiden Flanken ordentlichen Einblick ins Innenleben des Behälters. Offengestanden: die Restaurierung wagte ich nur mangels Alternativen. Es gibt zwar hin und wieder Nachfertigungsaktionen des Brough-Clubs, die sind jedoch teuer und nur mit viel Wartezeit von Erfolg gekrönt. Würde mir jemand erzählen, er hätte seinen BMW R50-Tank so restauriert wie ich es mit dem Brough Tank gemacht habe, hätte ich sicher nur ein Kopfschütteln dafür übrig. Aber Tanks aus der Haydn Road in Nottingham liegen halt weder auf jedem zweiten Markt noch sind sie bei einer Auswahl von Händlern oder dem Hersteller aus dem Katalog direkt zu bekommen. Auf einer der ersten Rallyes mit dem Motorrad bin ich direkt gefragt worden, ob das der Tank sei, der im Internet abgebildet sei. Auf meine positive Antwort hin bekam ich nur ein Lachen zu sehen. Offensichtlich hielt mich jemand für sehr mutig, dabei war ich doch nur verzweifelt!

Der Brough-Tank besteht aus ca. 12 einzelnen Blechteilen, die im Werk weich verlötet wurden (d.h. die Löttemperatur lag bei ca. 200 Grad). Damit fiel als Reparaturmöglichkeit “schweißen” und “hartlöten” (>500 Grad Celsius) sofort aus; zu groß die Angst, das Teil könnte sich übermäßig erwärmen und dann schlicht auseinander fallen. Also habe ich folgendes probiert:

Der Bereich um die kleinen Löcher wurde mit “Weichlöt- und Verzinnungspaste” (gab’s auf der Veterama) eingestrichen, darauf mit einer Heißluftpistole erwärmt, bis sich das Zinn mit dem Blech verbindet, und dann mit Karosseriezinn “schmierend” zugelötet. Abschließend mit der Feile glattziehen, damit eine ordentliche Oberfläche entsteht.

Das hat erst mal funktioniert. Ein Blick ins Innere des Tanks hat gezeigt, daß das Zinn, wenn man’s richtig macht, einen schönen Abschluß auch im Innern findet. Im Anschluß daran habe ich chemischen Rostlöser in den Tank gekippt und kräftig geschwenkt. Heraus kam eine braune Brühe, es scheint also zu wirken.

Für die größeren Löcher ging dies natürlich nicht. Also habe ich mir Messing-Blech besorgt (entweder man kennt jemanden, der so was hat (Danke, Burkhard!), oder bei OBI (kein Scherz)). Die nächsten 2 Stunden habe ich damit verbracht, das Blech zuzuschneiden und so am Tank anzuformen, daß nichts wackelt, wenn man an beliebiger Stelle auf das Blech drückt. Dies scheint ein gutes Zeichen für “eng anliegend” zu sein. Dann die Fläche großzügig verzinnen, und immer wieder mit dem Lappen abstreifen. Zum Schluß das an den Innenseiten der Kanten verzinnte Messingblech auflegen, mit Stahlband fixieren und kräftig rundherum verlöten. Dabei sollte man nicht geizig sein, überschüssiges Zinn läuft von allein heraus. Aber: aufpassen, daß sich kein “Depot” unter dem Blechstreifen bildet, der dann ein enges Anliegen am Tank (nach dem Erstarren) verhindert.

Die weitere Prozedur ist schnell beschrieben: Von innen habe ich den Tank dann mit Epoxy-Versiegelung ausgeschwenkt, und die Rest- Pfütze genau über den geflickten Stellen eintrocknen lassen. Dabei haben sich noch 2 Löcher gefunden, die schnell zugelötet habe und mit einem Epoxy-Rest übergossen habe. Das Epoxy-Harz ist zum Glück nicht so wärmeempfindlich und hat das Löten gut vertragen. Nachher habe ich immer ein paar Tropfen frisches Harz auf die jeweilige Stelle gegeben, um eine echte Versiegelung zu erhalten. Eine abschliessende Versiegelung mit Krem-Weiss hat dann den Tank endgültig abgedichtet.

Bevor der Lackierer meine Teile bekam, war Füllern und schleifen angesagt, bis die Fingerkuppen glühen. Aber das ist machbar, ohne mehr als ca. 1 bis 1,5mm Schichtdicke aufzutragen!

Fazit: Nun habe ich einen originalen (!) Tank, der zwar nicht (wie im Original) verchromt ist, der aber trotzdem seine Funktion erfüllt. Und schliesslich haben auch schwarz lackierte Tanks das Brough- Werk verlassen (mittlerweile sind die meisten originalen Tanks schwarz, weil die auch nicht aus besserem Blech waren als meiner).

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