Restaurierung BMW R75/5 - Seite 3

Der Anlasser konnte ohne weiteres zerlegt werden. Alle Teile wurden gereingt, das Gehäuse entrostet und schwarz matt lackiert. Selbst die Buchse, die ganz vorne die Ritzelachse führt, wies nur wenig Spiel auf und wurde belassen. Alle Teile wurden dann wieder zusammengebaut, der Kollektor mit 1000er Polierleinen vom Abrieb befreit, und beim Zusammenbau wurde gefettet wo nötig. Eine schnelle Funktionsprobe an der Starterbatterie meiner R 100 S zeigte Wirkung: alles ok. Es lohnt sich also nicht immer, gleich 159 Euro auf den Tisch des Hauses für ein Tauschaggregat zu legen…

 

Die Gabel war bereits größtenteils zerlegt, ein letzter Schritt noch, und die Tauchrohre waren von den Standrohren befreit. Am unteren Ende der Standrohre war durchaus Abnutzung zu erkennen; trotzdem ließen sich die Standrohre fast spielfrei über den gesamten Federweg führen. Ich war erstmals im Zweifel, entschied mich jedoch dafür, die Standrohre etwas verdreht wieder einzubauen. Sollte sich nachher in der Praxis herausstellen, dass hier übermäßiges Spiel im Fahrbetrieb festzustellen ist, werde ich halt neue Standrohre montieren. Vor dem Zusammenbau werden die Tauchrohre noch gestrahlt, und neue Dichtringe eingebaut.
 

 

Die Räder mussten komplett zerlegt werden, weil die Speichen erneuert, die Naben gestrahlt und die Felgen komplett aufpoliert werden mussten. Da offensichtlich geringe Mengen von Wasser in die Lager eingedrungen war, zeigten diese sich ein wenig rostig und mussten so wie so ersetzt werden. Dabei werden natürlich auch neue Dichtringe eingebaut. Der Raddeckel vorn fehlt, dieser muß neu beschafft werden.

Die erste große Teilebestellung ist nun auch getätigt. Fast 500 Euro wurden für einen Satz neuer Schalldämpfer, neue Speichen, 2 Emaille Tankembleme, eine neue Lucas- Kupplung und viele Kleinteile angelegt. Ziel ist es, mit ca 1000 Euro Gesamtbudget auszukommen.

Folgende Teile sollen mit einem Farbüberzug versehen werden:

Blaumetallic:

  • Tank
  • Schutzbleche (diese mit zusätzlich einer weißen Doppellinie)

Schwarz:

  • Rahmen
  • Heckrahmen
  • Schwinge
  • Lampentopf
  • Lampenhalter
  • Rücklichtgehäuse

Dabei sollten Rahmen und Heckrahmen schwarz gläntend gepulvert werden, und der Rest lackiert.

Die Überprüfung des Getriebes stellte mich vor eine Gewissensfrage: Alle Wellen waren leichtgängig, nirgendwo stellte sich ein störendes Geräusch oder Spiel in den Weg. Also beschloss ich, das Gehäuse mit der rotierenden Nylonbürste zu reinigen und anschließend mit einem harten Glitzi-Schwamm und etwas Öl wieder die samtig-graue Farbe ohne Glanz wiederherzustellen, und den Simmerring auf der Kupplungsseite zu ersetzen - Ende der Veranstaltung. Sollte sich im Fahrbetrieb später ein Problem herausstellen, ist das Getriebe binnen 2 Stunden aus- und wieder eingebaut, das Risiko wollte ich eingehen. Hatte ich beim Achsantrieb ja auch gemacht.

Mittlerweile waren die Teile vom pulvern und vom Lackierer wieder eingetroffen - die nächsten 500 Euro waren investiert. Im ersten Versuch war der Lack nicht schön geworden, aber im zweiten Anlauf war die Qualität akzeptabel. Der Lackierer, bei dem ich zum ersten Mal war, hatte einen Festpreis angeboten, den ich nach kurzer Verhandlung akzeptiert hatte. Nachher meinte er, eine bessere Qualität sei dem Preis nicht zu erwarten - ein kurzes, aber heftiges Kundengespräch folgte, und dann ging es doch ... Man muß sich halt zu wehren wissen als Kunde, meistens klappt es auch. Nur der Farbton ist nicht original. Ich hatte den Glasurit Farbcode angegeben, der seinerzeit von BMW verwendet wurde. Gerade, als ich zur Höchstform auflaufen wollte, fiel mir auf, daß die Farbe eigenlich gar nicht so schlecht aussah. Genaugenommen sogar ganz hübsch - nein eigentlich richtig gut. Ich ließ Gnade vor Recht ergehen, und bin heute überzeugt, daß das Motorrad richtig klasse aussieht, auch wenn der Farbton eine Nuance zu hell geworden ist.

Ganz anders war der Linierer. Ein älterer Herr, der in einer Solinger Fahrradfabrik 30 Jahre seines Lebens damit zugebracht hat, Fahrradrahmen, -Felgen und -Schutzbleche mit feinen Linien zu versehen, hat für kleines Geld mit dem Porzellanmalpinsel (nix Schlepper!) Linien so aufgebracht. So, wie sie sein sollen: aus der Nähe betrachtet sieht man das Leben einer 83 jährigen Hand, mit ein klein wenig Abstand schaut es gleichmäßig und schön aus, wie aus einem Guß. So kamen die Motorräder aus den Berliner Werkshallen.

Um weiter machen zu können, mußte eine weitere Teilebestellung ran - diesmal die vielen Kleinigkeiten, die ich gern erneuern wollte, aber noch nicht bei den Neuteilen dabei waren. Weitere 280 Euro für einen Kasten voll mit Dichtringen, Schräubchen, Kabelbaum, Glühbirnchen und so weiter. Geld ist ja nie weg, es hat immer nur jemand anders - auch diese Erkenntnis konnte mich nicht glücklich machen, trotzdem wechselten weitere 300 Euro auf das Konto der BMW AG, Niederlassung Bonn. Mittlerweile stecken bald 100 Stunden in dem Projekt, und das Ziel, mit 1000 Euro klar zu kommen, war in weite Ferne gerückt. Wie immer dauert es länger und wird teurer als vorher erwartet - aber hätte ich deswegen den alten, geflickten Kabelbaum wieder einbauen sollen und mich auf jeder zweiten Fahrt ärgern sollen, weil wieder irgendwas nicht klappt? - Nein danke, dann lasse ich es lieber gleich komplett.
 

Nachdem sich das Fahrgestell in der Werkstatt nach der Oberflächenbehandlung wieder stückweise zusammenfügte, konnte ich mich ans Herz der Sache begeben: schließlich hatte ich mich noch gar nicht um den Motor gekümmert.

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