Restaurierung BMW R75/5
Eigentlich hatte ich ja die Nase vom Schrauben voll. Die
Brough Superior SS80 hat mir 3 Jahre lang schwarze Ränder unter den Nägeln, und manchmal auch unter den Augen, beschert. Im Laufe dieser Restaurierung hatte ich viel gelernt, und dabei ein schönes Motorrad auf die Räder gestellt. Nun standen 5
davon in der Garage, allesamt schön, fahrbereit und alt. Wozu also noch schrauben?
Als die Besitzerin Wochen später antwortete, hatte ich das Angebot eigentlich schon vergessen. Ach ja, da hatte ich mal hingeschrieben, und nach dem Preis gefragt. Und in der Antwort stand immer noch kein Preis
drin. Es war die Rede von Teilen für 1700 Mark, die gekauft wurden. Also habe ich geantwortet, und danach immer mal wieder eine Antwort erhalten. Ganz dringend schien der Verkauf nicht zu sein.
Deswegen hatte ich auf die Verkaufsanzeige im
Dann, am ersten Weihnachtstag abends kam dann die Antwort, dass mein
inzwischen abgegebenes Angebot zwar nicht viel, aber akzeptabel wäre. Verdammt, die „Oldiemania“, eine Krankheit, die bei mir schubweise ausbricht, war wieder da. Der Haken am Angebot war offensichtlich. Das
Motorrad wurde von der aktuellen Besitzerin vor 15 Jahren gekauft. Damals wohl in einem fahrbereiten, wenn auch eher verbrauchtem Zustand. Daher fiel auch bereits nach einer Woche der Entschluss, die BMW vom Grunde
zu überholen. Also hat der Ehemann, seines Zeichens KFZ- Schlosser, kurzerhand alles zerlegt und säuberlich in Kisten verstaut. Die erste Massnahme der Überholung war die Durchsicht aller Teile, und eine
entsprechende Order beim lokalen BMW Händler. So wurden beispielsweise alle Bowdenzüge, ein neuer Hauptständer, neue Krümmer
samt Querrohr und ein neuer Faltenbalg geordert. Und es fanden sich auch Teile, die dem Geschmack der neuen Fahrerin mehr entsprachen: allen voran ein neuer 17,5 l Tank mit nagelneuen Chromzierblenden, der etwas höhere US Lenker und verchromte
Seitendeckel. Grob überschlagen, würden die Teile nach heutiger Preisliste rund 1500 Euro kosten!
Der Tag der Wahrheit sollte der Mittwoch „zwischen den Jahren“ werden. Morgens um viertel vor sechs bei Schneetreiben gestartet, war ich pünktlich um neun am vereinbarten Treffpunkt in einer entlegenen Waldsiedlung nördlich von Hannover. Dort
konnten schon einmal die Neuteile in Augenschein genommen werden. Alle Teile waren tatsächlich flammneu, Rechnung lag anbei, wiesen allerdings auch einige deutliche Lagerspuren auf. So war die originale Lackierung des Tanks in “curry metallic”
nicht mehr ohne weiteres zu retten. Zuhause angekommen, wurde erst mal ausgeladen und besichtigt. Selbst meine liebe Frau war zufrieden, wurden ihr doch
Fahrten mit einem schönen Klassiker samt E-Starter in Aussicht gestellt. Bei näherer Betrachtung bei einem Kaffee wurde die
Strategie festgelegt: Dieses Motorrad sollte langsam, mit vergleichsweise kleinem Budget und mit viel Spaß instand gesetzt werden. Das schöne an diesem Motorrad liegt auf der Hand: Teileversorgung ? Kein Problem. Es gibt verschiedene Anbieter,
teilweise nett, teilweise grantiger Natur, der eine etwas günstiger, andere etwas teurer, aber es gibt wirklich (fast) alles. Im Zweifel bei der BMW Niederlassung anrufen und ein paar Tage später die Brocken holen.
Beim Schwager, schon fast südliche Lüneburger Heide, war dann der Rest
der Teile zu besichtigen. Das Motorrad war weitestgehend komplett, lediglich die Schalldämpfer wurden seinerzeit bereits wegen fortgeschrittener Korrosion entsorgt. Leider ging die lange Lagerzeit auch
an den restlichen Motorradteilen nicht spurlos vorbei. Ein Zylinder war vom Motorrumpf abgenommen und war auf der Lauffläche korrodiert. Ebenso der Kolbenbolzen, und die beiden Radachsen. Die Speichen waren stark
mitgenommen. Hier musste Ersatz her, um ein ordentliches Endergebnis zu erzielen. Auf der Habenseite konnte allerdings auch einiges verbucht werden: das Kombiinstrument war vollständig und funktionstüchtig, und
zeugte von 95.000 absolvierten Kilometern (und wäre ohne das Spinnennest im Drehzahlmesserbereich fast perfekt gewesen…), die
Vergaser waren verschmutzt, aber komplett, die gesamten elektrischen Aggregate waren oberflächig angelaufen, aber in gutem, funktionsfähigen Zustand, und selbst die Sitzbankgrundplatte wies keine übermäßige Korrosion auf. Es war sogar ein Satz
schöner, originaler Koffer in hervorragendem Zustand mitsamt etwas korrodiertem Träger dabei. Alles in allem ging der vereinbarte Preis schon in Ordnung, schließlich ging es hier um einen angehenden Klassiker. Die Teile wurden also eingeladen,
und in Schwagers Küche wurde der Deal mit Vertrag und allem pi-pa-po perfekt gemacht. Ich bekam die Dokumente, Brief, Abmeldebescheinigung und Quittungen ausgehändigt. Später sind sogar noch die Schlüssel bei der Verkäuferin aufgetaucht, die
sie mir dann netterweise zugeschickt hat.
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