Restaurierung Bauer 500

Ich muß zugeben, eine Bauer aus Braunschweig ist mir noch nie über den Weg gelaufen oder, besser gesagt, gefahren. Als ich jedoch von der Auktion auf der Oldtimershow in Bremen hörte, schrieb ich meinem Clubkollegen Thomas Beneke direkt eine Mail, damit er mir einen Katalog zuschickt. Unter den Motorrädern, die dort im Angebot waren, war die Bauer in vielerlei Hinsicht schon etwas besonderes. Umso schöner, daß der regelmäßige motoclub.de Besucher Stephan Lindenmayer das fahrzeug ersteigern konnte und sich bereit erklärt hat, den Fortgang der Arbeit regelmäßig auf dieser Seite zu publizieren.

Zunächst starten wir also mit dem obligatorischen Geschichtsunterricht zum Thema:

Hermann Bauer Fahrzeugbau

Braunschweig

Viel findet man nicht über die Firma „Hermann Bauer Fahrzeugbau, Braunschweig“, wenn man die einschlägige Motorradliteratur und das Internet befragt. Man stößt aber relativ häufig auf die „Bauer-Werke GmbH“ von Klein-Auheim am Main. Die haben allerdings mit der Fertigung von Motorrädern mit Sachsmotoren angefangen, als bei Bauer Braunschweig die Fertigung vermutlich schon nicht mehr bestand. Die beiden Werke haben nach meinen Informationen auch nichts miteinander zu tun. Einen relativ ausführlichen Bericht konnte ich aber durch einen Nachforschungsauftrag beim Braunschweiger Stadtarchiv bekommen:

  • Hermann Bauer wurde am 06.12.1871 in Wolfshagen geboren.
  • Am 23.09.1919 meldete er in Braunschweig ein Gewerbe als Bäcker und Konditor an.
  • Am 19.03.1926 meldete er zusätzlich noch ein Gewerbe zur Herstellung von Motorfahrzeugen sowie einen Handel mit neuen Kraftfahrzeugen und Ersatzteilen an. Dieses Gewerbe hat er von seinem namentlich nicht genannten Sohn übernommen.
  •  

1926 war also der Start der Firma „Hermann Bauer Fahrzeugbau, Braunschweig“. Begonnen wurde mit 2 Gesellen und 2 Lehrlingen. Die Werkstatt war in der Echternstasse 32, der Laden im „Lohweg“ 58.

Die nächste Eintragung  stammt von 1933 aus dem Adressbuch. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Herstellung von Motorfahrzeugen vermutlich schon nicht mehr, da sich der Eintrag nur auf eine „Fahrrad- und Kraftfahrzeughandlung mit Reparaturwerkstatt“ bezieht. Die Werkstatt war noch immer in der Echternstrasse 32, der Laden aber nun in der Sonnenstrasse 9a.

  • Die letzte Eintragung stammt von 1965/66 ebenfalls aus dem Adressbuch:

            „Hermann Bauer, Kraftfahrzeughandel, Sonnenstrasse 9a“

 

Über die Produktpalette der Motorfahrzeuge und den Umfang der Produktion konnte ich bisher leider noch nichts genaueres in Erfahrung bringen. Laut Informationen von einem Oldtimersammler aus Braunschweig hat die Firma vermutlich nur einige Fahrzeuge in Kleinstserie gebaut.  Der dreistellige Bereich wurde wahrscheinlich nicht erreicht. Da die Fertigung von Motorfahrzeugen vermutlich nur max. 6 Jahre bestand und mit wenig Personal die Herstellung, der Verkauf und die Reparaturwerkstatt betrieben wurden, dürfte die Menge an produzierten Fahrzeugen wirklich nicht sehr hoch gewesen sein.

Außer meiner Bauer 500 mit ohv Sturmey Archer Motor konnte ich bisher keine andere Maschine der Marke finden, was natürlich nicht heißen soll, dass dies die letzte Überlebende ist. Das Motorrad ist in jedem Detail sehr massiv ausgeführt. Die Verarbeitung ist sehr gut. Es sind sehr viele schöne Detaillösungen gemacht worden, wobei besonders die Kettenspanner am Hinterrad hervorstechen.

 

Wie findet man eine Bauer?

Eines trüben Januarabends bin ich im Internet zufällig auf die Beform-Auktion in Bremen gestoßen. Beim Durchforsten des Angebots sind mir einige interessante Motorräder aufgefallen. Besonders hervorgestochen ist allerdings die Bauer 500. Die Beschreibung hörte sich recht gut an und auch die Bilder waren recht vielversprechend. Leider sind abgebrochene Restaurationen nicht immer die beste Wahl.

Bei genauerer Betrachtung der Bilder störte mich eigentlich hauptsächlich ein Teil, das auf der Teilekiste lag. Was ich auch probierte, ich bekam die Bilder einfach nicht so scharf, dass sich das Teil eindeutig definieren ließ. Die Vermutung lag auf Schwungscheibe (was sich mittlerweile auch als richtig rausgestellt hat). Dies hätte zur Folge, dass der Motor zerlegt und nicht mehr komplett zusammengebaut worden war. Nicht gerade gute Aussichten.

Da die Auktion in Bremen stattfand und Bremen bei mir nicht gerade um die Ecke liegt, wollte ich ein schriftliches Gebot abgeben. Ich suchte mir ein paar nette Maschinen aus und gab in meinen Augen relativ niedrige Gebote ab. Bei der Bauer war ich besonders vorsichtig, da immer noch das undefinierbare Teil im Hinterkopf war.

Am 06.02.2005 war dann der große Tag, die Auktion.

Termin war gut gewählt, genau am Faschings- / Karnevalswochenende. Als dieses dann vorbei war schaute ich in mein Mailfach, in dem ich nichts vom Auktionator fand. Danach war die Web-Seite dran, in der die Hammerpreise bereits eingetragen waren. Und was musste ich da sehen? .... die Bauer ist zum Grundgebot weggegangen und ich war scheinbar nicht der Käufer, obwohl ich noch etwas mehr geboten hatte.

Bei der Prüfung meines Gebotsblattes konnte ich dann den vermeintlichen Fehler entdecken. Wegen einer Kleinigkeit war es eine reine Auslegungssache ob man das Gebot akzeptiert oder nicht. Das konnte natürlich auch nur mir passieren.

Nach 2 ½  Wochen des Ärgerns über meine eigene Blödheit war dann ein Brief von Beform- Versteigerungen im Briefkasten. Und was fand sich darin? .... die Rechnung für die Bauer.

Unfassbar aber war. Es hat tatsächlich außer mir niemand mitgeboten und es hatte sich nur die Abrechnung der Auktion „etwas“ verzögert.

Da das Wetter Ende Februar / Anfang März nicht gerade besonders gut war, entschied ich mich eine Spedition mit dem Transport zu beauftragen. Dies stellte sich leider als nicht gerade schnelle Lösung raus, da die Spedition ebenfalls mit den Witterungsverhältnissen zu kämpfen hatte. Am 14.03.2005 wurde sie aber dann endlich angeliefert.

 

Bestandsaufnahme

Der Erste Eindruck: 

Schnäppchen!!!

Die genauere Prüfung:

Die Beschreibung war sehr gut. Lenker und Sattel sind wirklich falsch, was ja auch auf den Bildern zu sehen war. Die Schweißstellen aus der Beschreibung sind meiner Meinung nach evtl. sogar original, da alle Schweißungen etwas überdimensioniert ausgeführt wurden, und dadurch teilweise etwas seltsam aussehen.

Rahmen: sehr massive Bauweise

Gabel:  von den Bildern her vermutete ich eine Tiger-Gabel.

  Die Gabel ist aber eine Eigenfertigung, die sich die Tiger-Gabel nur als

  Muster genommen hat. Teillösungen finde ich besser als bei der Tiger-Gabel.

  Zustand sehr gut.

Blechteile: Schutzbleche gute Restaurationsbasis

  Tank gute Restaurationsbasis (Schade, dass er gestrahlt wurde)

  Kettenschutz müssen einige Teile nachgebaut/erneuert werden

Motor: Es war wirklich die Schwungscheibe!

  Optisch sieht er sehr gut aus, leider wurde er nicht wieder komplett montiert.

  So wie es aussieht sind aber alle Teile in der Teilekiste vorhanden.

  Nockenwelle nicht so schön.

  Komplette Restauration erforderlich.

Getriebe: sieht gut aus.

  Vermutete zuerst, dass ein anderes Getriebe reingehört.

  Mittlerweile glaube ich aber, dass es doch das richtige ist.

Ölpumpe: TOP

Magnet: TOP. Nur falsch eingebaut.

Vergaser:  der Grätzin aus der Kiste dürfte passen  

Tacho:  fehlt natürlich wie bei fast jeder Maschine

 

Alles in allem dürfte es sich um eine sehr gute Restaurationsbasis handeln.

Lenker + Armaturen werde ich von Anfang der 30er Jahre verwenden, da habe ich noch was passendes rumliegen. Einen schönen passenden Ledersattel habe ich auch schon vor ein paar Jahren gekauft. Richtig fehlen tut momentan eigentlich nur die Tanklackierung und das Firmenemblem.

Momentan bin ich noch immer guter Hoffnung, dass sich doch noch eine 2. Bauer auffindet, bei der die Tanklackierung und das Firmenemblem/Schriftzug so gut erhalten ist, dass man sie als Muster verwenden kann.

 

Restaurierung

Da ich noch ein paar andere Projekte zuerst abschließen muss, wird der Start voraussichtlich Anfang bis Mitte 2006 sein. Ich hoffe bis dahin die Frage der Tanklackierung und des Firmenemblems klären zu können. Über die Restauration wird es dann gelegentlich ein Update geben. Auch wenn sich ansonsten neue Informationen zu der Marke ergeben, werde ich diese einfließen lassen.

Suche

Ich suche weiterhin sämtliche Informationen, Werbeanzeigen und Besitzer von Motorrädern zu dieser Marke um die Historie noch genauer darstellen zu können. Freue mich über jeden Hinweis. Es wäre schön, wenn jemand eine Werbeanzeige hätte, aus der man das Tankbild oder das Firmenemblem entnehmen könnte.

Ein 500er ohv Sturmey Archer Motor mit außenliegender Ölpumpe, Baujahr ca. 1930 könnte als Ersatzmotor auch nicht schaden.

 

Kontakt:

Stephan Lindenmayer

Tel. 08225 – 1331

slindenmayer@web.de

 

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