Terrot mit Geschichte
Aber jetzt erst mal von Anfang an:Endlich nach einigen Jahren der Recherche und Restauration steht meine Terrot HT aus dem Jahre 1925 wieder auf eigenen
Rädern. Der 350 cc JAP Motor läuft prima, wenn auch die 6PS nicht wirklich übertireben viel Leistung sind, macht doch die Fahrt auf dem Motorrad großen Spaß. Es hat seine Feurtaufe im Mai beim ersten Coupes Moto Legende in Dijon und bei der
Veteranenrally in Ibbenbüren 2004 erfolgreich bestanden...
Als Motorrad und Oldtimerfahrer habe ich mich vor einigen Jahren entschlossen mir ein Vorkriegs-Krad anzuschaffen. Da
ich Frankreichliebhaber bin, kam mir die Idee meinen Stammtischkollegen Ludwig zu überreden mir seine seit Jahren im Stall gelagerten Terrotfragmente zu veräußern.
Die InstandsetzungDiese Teile waren von Vorgängern teilrestauriert und schienen komplett zu sein. Wie sich im Laufe der ersten Recherchen herausstellte waren diese
Arbeiten leider nicht richtig ausgeführt worden. Also erst mal Informationen sammeln: Was ist das für ein Krad. Wo gibt es Informationen und Teile. Dabei hilfreich war mir das Internet und der
Kontakt zu vielen netten Oldtimerfahrern. Bei der eigentlichen Restauration war ich obwohl ich seit über 30 Jahren an Mopeds schraube auf die Hilfe meiner Stammtischkollegen angewiesen, da
ich mich bisher mit Vorkriegstechnik noch nicht auseinandergesetzt hatte. Mein Freund Thomas bot sich an den Motor und das Getriebe zu überholen. Den Zünder und die Kurbelwelle gab ich an Spezialisten weiter. Ebenso den Großteil der Lackierung.
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KUHN NICOLA WIESVILLER MOSELLE.
Wie ich herausfand, war es in der Vorkriegszeit in Frankreich Vorschrift sein Fahrzeug mit eigenem
Namen und Wohnort an deutlich erkennbarer Stelle zu kennzeichnen. Da dieses Schild passende Bohrungen zum Deckel des kleinen Werkzeugkastens hatte, welcher sich oberhalb des Stecktanks befindet, war mir schnell klar wo
es hingehörte und auch selbstverständlich wieder montiert wurde. Aus Interesse wer denn dieser Kuhn Nicola gewesen war versuchte ich wieder über das Internet etwas herauszufinden, leider erfolglos. Das einzige was ich herausfand war,
dass es einen kleinen Ort im Saarland gab der Wiesviller hieß. Ich druckte mir eineWegbeschreibung aus, da das Dorf auf meinen Frankreichkarten nicht verzeichnet war. Im Winter 03/04 kniete ich mich erst
wirklich massiv in die Restaurierungsarbeiten, da ich im Mai unbedingt in Ibbenbüren und auch in Dijon starten wollte.
Coupe Moto Legende - Dijon 2004
Den erste Probelauf und die TÜV- Abnahme schaffte ich erst ende April 04, kurz vor dem Coupes Motolegende am Himmelfahrtwochenende. Dieses Wochenende hat mir trotz der weiten Anreise
supergut gefallen. Es ist eine tolle Atmosphäre dort und ich habe auch viele nette Kontakte geknüpft. Ich startete wegen des langen Rückweges Sonntags um 17 Uhr in Dijon und fuhr bis in die Nähe von Metz um dort zu übernachten.
Im Hotel besorgte ich mir ein Telefonbuch und stellte fest, daß in dem kleinen Ort Wiesviller einige Personen mit dem Namen Kuhn lebten.
Wiesviller
Am Montagmorgen machte ich mich direkt auf um den Ort und eventuelle Spuren zu finden. In Wiesviller angekommen parkte ich meinen Transporter vor dem Rathaus und informierte mich dort über die Person
Kuhn Nicola. Die junge Frau im Rathaus konnte mir nur anhand einer Kartei mitteilen, dass hier wirklich jemand mit diesem Namen, geboren vor 1900 und in den 70er Jahren verstorben, gelebt hatte.
Glücklicherweise betrat ein sehr alter, netter Mann zufälligerweise im richtigen Moment den Raum. Er meinte den vermutlichen Sohn zu kennen und erklärte mir den Weg.
Als ich das Motorrad auslud um zu dieser Adresse zu fahren bot er sich an mich zu
begleiten. Bei der Familie des Sohnes war das Erstaunen und die Freude die Terrot wiederzusehen riesengroß. Der Sohn Leon konnte sich noch gut an die Maschine erinnern und musste natürlich sofort auf dem Gerät
abgelichtet werden. Die Familie suchte sofort nach alten Fotos und zeigte mir ein Bild von Nicola als deutscher Soldat im 1.Weltkrieg und ein Photo von der Terrot mit Familie. Laut Erzählung des Sohnes war die Terrot ursprünglich eine
Rennmaschine mit der der Erstbesitzer tödlich verunglückte. Sein Vater habe dann das Motorrad gekauft und für die tägliche Fahrt zur Arbeit genutzt. Irgendwann nach den zweiten Weltkrieg wurde das
Ding dann für 50 Franc verkauft und war seitdem aus ihrem Blickfeld verschwunden.
Hat noch jemand Informationen?
Dieses Erlebnis mit seinen Emotionen hat mir und der Familie viel Freude bereitet und reizt mich jetzt auch noch den Weg der späteren Besitzverhältnisse ausfindig zu machen. Für die Hilfe
der zwischenzeitlichen Besitzer bin ich sehr dankbar und bitte auch um Zusendung eventuell vorhandener Fotos oder sonstiger Unterlagen:
Klaus Hassels
Kroner Heide 51
D- 48268 Greven
Tel.0049 2571 6922
Fax 0049 2571 52579
E-mail :khassels(at)gmx.net
Anmerkung der motoclub.de Redaktion:
Diese Geschichte wurde von meinem Freund und Terrot-Restaurator Klaus verfasst und mir zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Klaus hat in diesem
Fall viel mehr Wert auf die Darstellung der Geschichte als auf die technische Beschreibung der Arbeiten gelegt. Technische Beschreibungen gibt es m.E. genug, aber die Geschichte dieses sehr seltenen Motorrades von 1925 ist wirklich einzigartig!
Ihr und Euer Thomas
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