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Restaurierung Norton Modell 50
Tomas Bolik, ein regelmäßiger motoclub.de Besucher, hat gerade die Restaurierung einer Norton Model 50 aus dem Jahre 1935 begonnen. Hier bei motoclub.de wird in loser Abfolge die Restaurierung dokumentiert - wir sind schon alle sehr gespannt!
Hier geht es direkt los: die ersten Schritte:
30.12.02
Tank, Sattel und Werkzeugkästen werden abgebaut
Die erste Überraschung ist, daß die Schrauben der Tankbefestigung ein metrisches Gewinde M8 haben. Schwierig aus dem Stehgreiff zu sagen, ob dies original ist, oder bei einer Reparatur im Herkunftsland Südafrika modifiziert wurde. Aber ich bin sicher, im Laufe der Restaurierungsarbeiten mehr herauszufinden. Trotz des schlechten äußeren Zustandes findet sich im Innern des Tanks kaum Rost - das macht Hoffnung. Allerdings habe ich noch keine Ahnung wie - und ob überhaupt - ich um das teure Neuverchromen des Tanks herumkomme. Bislang finden sich hier mindestens 2 Schichten Chrom. Auf der Tankunterseite fand sich ein Stempel "50 Trial". Die Kniegummies sind in schlechtem Zustand, aber hier wird sich sicher was finden. Nach gründlichem Waschen mit Benzin hatte ich immerhin einen sauberen Tank; allerdings (aufgrund des Gestanks) war meine Frau sauer. Und gleich meinte Sie, daß eine weiße Jeans auch nicht die richtige Kleidung für Restaurierungsarbeiten sei. Stimmt, aber im Moment sind diese Gedanken viel zu rational.
Die Satteldecke aus Leder ist in hervorragendem Zustand. Hier benötigt lediglich das Gestell eine gründliche Reinigung und Lackierung, dann ist der Sattel wiederhergestellt.
Lichtmaschine und Magnetzünder waren schnell gefunden und demontiert. Selbst nach 10-jähriger Schrauberabstinenz war das keine große Aufgabe, allerdings sieht das alles nicht mehr so elegant aus wie früher...
Aber wie funktioniert die ganze Elektrik? Ein Kabel zum Scheinwerfer gibt es nicht, was die Vermutung nahelegt, daß die ganze Lichtanlage schon mal nicht funktioniert. Auch hier werde ich mich mal mit dem Thema auseinandersetzen.
Beim Abschrauben der Werkzeugkästen (außen noch schön schwarz lackiert, innen ölig -dunkel-schmierig) habe ich mich dann auch noch böse am Schloß geschnitten. So fiel der Entschluß leicht, für heute Schluß zu machen.
Episode 2:
Die Arbeit macht gute Fortschritte. Die Norton ist bis auf ihren nackten Torso entblättert. Glücklicherweise profitiere ich von Erfahrungswerten aus längst vergangenen Tagen. Erinnerungen holen mich ein, auf welche Weise an ein solches Projekt herangegangen werden muss. Ich bin schon ein richtiges Cleverle!
Meine Werkstatt ist ein kleiner, peinlich sauber gehaltener Raum, in weiß und hellem Holz gehalten, mit einem mächtigen Heizkörper. Es macht richtig Spaß in der wohligen Wärme und in hellem Lampenlicht zu basteln, während draußen der kalte und dunkle Winter jede Aktivität verleidet. Ich bat meine Frau, Ihre Wäsche nicht gerade in meiner Werkstatt zu trocknen. Die Wäsche könnte Schaden nehmen, argumentierte ich. Meine geliebte Frau versprach auch sofort, nach einem anderen Platz zum Wäschetrocknen zu suchen, aber es beschleichen mich dennoch Zweifel, ob sie wirklich verstanden hat, was ich eigentlich wollte. Vielleicht ist eine nicht ganz so saubere Werkstatt ein aprobates Mittel, sie vom Missbrauch meines Heiligtums abzuhalten. Gottseidank hat sie noch keinen blassen Schimmer davon, wo in unserem Haus ich vorhabe, die fälligen Lackierarbeiten durchzuführen.
Ich bin über die Konsistenz des abgelassenen Motoröls nicht gerade glücklich. Der Ölsumpf fühlt sich an, als ob er eine ganze Menge Metallabrieb führen würde. Ich zweifle ein wenig daran, ob der Motorzustand wirklich so einwandfrei ist, wie ich eigentlich dachte.
Da ich konkrete Vorstellungen darüber habe, wie Ämter oder halbamtliche Stellen zu funktionieren, oder vielmehr nicht zu funktionieren pflegen, habe ich jetzt schon einmal Kontakt zum TÜV aufgenommen. Der Prüfer, mit dem ich sprach, schien nicht sehr begeistert zu sein, einen neuen Motorradoldtimerkunden zu haben. Er könne überhaupt nichts für mich tun, sagte er, solange ich ihm kein offizielles Datenblatt für das genannte Modell brächte. Ein paar Nachforschungen verbanden mich schließlich mit der zentralen Datenblattstelle in Augsburg. Man war dort sehr freundlich und hilfsbereit, bedauerte aber, nicht weiterhelfen zu können, da die frühesten Datenblätter aus den 50er Jahren stammen. Die Telefonnummer eines Motorrad - Oldtimerspezialisten irgendwo im Bayrischen sollte weiterhelfen. Der Kontakt schlug fehl. Der Spezialist ist schwer krank und liegt im Krankenhaus. Ich beginne mich so langsam zu fragen, wo ich ein solches Datenblatt herbekommen soll. So, wie es im Moment aussieht, könnte sich der Weg durch den Dschungel der Bürokratie als dorniger erweisen, als alle Widernisse der Motorradbastelei zusammen.
Fortsetzung folgt........
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