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Restaurierung Zündapp KS 500
Meine Frau ist ein geduldiger Mensch, und darüber hinaus Kummer gewohnt. Wir haben viel erlebt, aber mit einem so schlechten Motorrad wie die KS 500 bin ich nie vorher nach Hause gekommen. Und nachher auch nie wieder.
Eigentlich wollte ich eine K 800. Seidenweicher 4-Zylinder Boxermotor, ausreichend Leistung aus sattem Hubraum. Und mein Freund Uwe meinte, er wüsste, wo eine angeboten wird. Und mit 6.000 DM gar nicht teuer. Wir also hin zum Anbieter, der uns zunächst einige gute Motorräder zeigte. Und dann ein weiteres Garagentor öffnete, in dem sich das Grauen verbarg. Die K 800 stand vorn, teilzerlegt, Kolben lagen in einem Karton lose dabei, “aber im Kern gesund”, wie der Verkäufer versicherte. Klar, keine Fragen mehr. Daneben stand die KS 500, von der ich kaum Notiz nahm. Als drittes im Bunde kam noch eine Opel Motoclub zum Vorschein - “guck mal, da is sogar noch Cadmium drauf”. Fröhlich mit dem Schraubenzieher kratzend eröffnete der Verkäufer den Schwermetallangriff auf unsere inneren Organe.
“Dat det een echtet Spochtmotorrad is, sieht een Blinder!”, verkündete der Verkäufer, der KS 500 zugewandt. Die kyrillischen Schriftzeichen auf den Reifen und auf dem Lampenglas lassen vermuten, welchen Sport der Fahrer betrieben hat.
Aber die KS 500 sah gar nicht mal schlecht aus - mein Gott, war ich blöd. Spätestens beim rausschieben aus der Garage hätte mir ein Licht aufgehen müssen, als die Antriebswelle rausfiel - und das Motorrad danach so komisch leicht zu schieben war. Im Zustand geistiger Umnachtung blätterte ich 4.200 DM auf den Tisch des Hauses - und war Besitzer einer ultra-seltenen Zündapp KS 500 im ultra-maroden Zustand. Äusserlich, wie ich dachte. (Man beachte die vorsichtshalber in den Ansaugtrakt eingesteckten Lappen. Eigentlich dachte ich, es fällt mal besser kein Staub rein. Drinnen wartete jedoch bereits die Überreste einer Gartenteichausschachtung auf mich.)
Szenenwechsel: 2 Wochen später war Herbst-Veterama 1995. Kaum um die Ecke gebogen, sah ich ihn: ein ziemlich guter Motor, KS 500, Köpfe locker aufgesteckt zur besseren Inspektion der Details. Aber wer kauft schon Samstags morgens um 8.30 Uhr etwas für 2.000 Mark. Den ganzen Tag über war ich wieder am Stand, bis ich, gar nicht ahnend, was für ein Glück ich hatte, den Motor für 1.650 DM abends um 18.00 Uhr in den Kofferraum einlud. Hätte ein anderer Interessent zugeschlagen, hätte ich aus meiner Zündapp ein prima Karusselfahrzeug machen können. An Vortrieb aus eigener Kraft wäre nicht zu denken gewesen. Desweiteren konnte ich auf der Veterama auf Verdacht 2 Messingkäfige für den Pleuelfuss von K 800 erstehen (100 Mark pro Stück), und ein ungebrauchtes Novotex- Nockenwellenzahnrad. Nagelneu, 100 Mark.
Zuhause angekommen, habe ich zunächst mit dem Zerlegen des alten Motors weitergemacht. Die Bilanz war erschreckend und erklärte meine Verhandlungstaktik in Mannheim zum blanken Wahnsinn: - Pleuelfuss: Lagerkäfige Fehlanzeige, Hubzapfen mit ca. 1mm Untermass (Verschleissgrenze 0,05mm) - Kolben: Spiel fasst so gross, dass man sie auch quer einbauen konnte; Zylindermass 2mm über Verschleissgrenze, 2 verschiedene Kolben, Stücke herausgebrochen - Zylinderköpfe: Glattrasiert fast ohne Kühlrippen auf der Oberseite - Nockenwelle: guterhalten, Novotex-Rad mit Karies - Zündspule: gut (!) - Lichtmaschine: zu retten (Dank an die Gebrüder Osterhaus) - Kupplung: 2 Scheiben fehlten, Beläge hinüber - Getriebe: Ketten verschlissen, Kickstarter-Verzahnung setzt über, sonst aber recht gut
AnmerkungJuli 2004: Die Zündspulke hat ,ittlerweile den geist aufgegeben. Bei einer Regenfahrt fing die Kiste an, heftigst zu sprotzen und zu knallen, und danach war die neue Spule fällig. Bei den Gebr. Osterhaus in Iserlohn ist ein ähnliches Modell noch zu haben: nur zwei Unterschiede zum Original: erstens gibt es die Spuelen nur noch mit Abgang auf einer Seite (also nicht die Zündkabel rechts und links), und zweitens ist der Kunststoffverschluß des Gehäuses schwarz statt braun. Ich habe also die alte Spule zerlegt, und auf der rechten Seite als eine Art Attrappe das Zündkabel durchgelegt - (fast) wie im Original.
Viele Ersatzteile konnte ich bei Wolfgang Bernhard in Groß-Gerau bekommen. Nicht immer die günstigste Alternativem, aber ich wurde immer gut beraten und prompt bedient.
Michael Aichner hat mittlerweile das beste Sortiment an Zündapp-Vorkriegsteilen, insbesondere Kastenrahmenmodellen, und eine gute Website!
zum Teil 2 zur Historie der Zündapp KS 500
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