Imperia

Als Dr. Ing. Rolf Schrödter anfang 1926 in seinem Wagen auf dem Weg von Köln nach Bad Godesberg saß, hatte er seinem Leben gerade eine Kehrtwendung gegeben. Noch vor wenigen Stunden war er, gemeinsam mit seinem Bruder Felix, der Leiter der Godesberger Maschinenfabrik, und ein junger (Schrödter war zu dem Zeitpunkt gerade 34 Jahre alt geworden) und angesehener Geschäftsmann in Godesberg und im nahen Bonn. Soeben hatte er jedoch den Grundstein für die ‘Imperia Fahrzeugwerke GmbH, Bad Godesberg, gelegt.

Schrödter hat nicht nur ein paar Werkzeugmaschinen der Ende 1925 geschlossenen KMB, der Kalker Maschinenfabrik Becker, gekauft. Er hatte die Marke ‘Imperia’ mitgekauft, die in Deutschland bereits durch viele Rennerfolge bekannt geworden war, und einen ausgezeichneten Ruf in Fachkreisen genoß. Das Logo mit dem Kölner Dom und dem markanten Schriftzug war bekannt und geachtet, so daß der neue Besitzer beschloß, diese erst einmal nicht zu ändern. Schrödter hatte jede Menge Ideen, wie sich Erfolge im Rennen in unternehmerischen Erfolg umsetzen ließen. Und er brannte darauf, diese umzusetzen.

Jacob Becker hatte 1923 bei der ‘Kalmag’ die ersten Motorräder gebaut. ‘Win on Sunday, sell on Monday’ war damals bereits ein bekannter Spruch der Engländer, so gab Becker seine Maschinen einigen guten Rennfahrern, die auch sogleich begannen, Erfolge mit den Maschinen zu erringen. Zu diesen gehörte auch Adolf Esch, Erich Pätzold, Ernst Zündorf, Harry Herzogenrath, Ernst-Günther Burggaller und Hans Soenius. 1924 schuf Becker den klangvollen Namen Imperia, und die Motoren der schnellen Maschinen kamen von den nicht minder renomierten Fabriken MAG (Genf), JAP (Tottenham b. London), Bradshaw und Blackburne.

Einige dieser Rennfahrer fanden auch nach der Verlegung des Werkes ins heutige Bonn-Friesdorf eine Anstellung bei Imperia, so z.B. die Fahrer Willy Ehrlenbruch, Karl Frentzen, Adam Schuhmacher und Emil Hobelmann. Ob weitere Mitarbeiter den Gang von Kalk nach Godesberg mitmachten, ist nicht bekannt.

    

1927 gab es noch einige Modelle im Programm: 500cc Tourenmodell mit 12 PS, 750cc mit 16PS, 1000cc mit 22PS, und das Sportmodell 500cc mit 22PS. Letzteres war für Schrödter eine Art Vision: die sportliche Maschine für den ambitionierten Straßeneinsatz. Im Laufe der Zeit wurde der eher biedere Stecktank durch einen Satteltank ersetzt, zunächst in der markanten Rhombusform, und ab 1928 dann als sportlicher Rundtank.

Die ‘500 Sport’ wurde ein großer Erfolg, und es hat sich eine ganze Reihe von Motorrädern bis in die heutige Zeit gerettet, liebevoll gepflegt von ihren Besitzern. Der Erfolg wurde so groß, daß in der Friesdorfer Straße zeitweise kein anderes Modell gefertigt wurde. Der 500 Sport wurden dann Anfang der dreißiger Jahre noch andere Modelle zur Seite gestellt - allerdings sollte keins von ihnen den Erfolg der Schrödter Vision wiederholen. Es gab eine Tourenversion mit dem 600erter ioe-Motor von MAG, und eine 680ohv Maschine mit Triebwerk von JAP.

1933 begann für Imperia zunächst verheißungsvoll: Fergus Aderson, später Weltmeister auf Moto Guzzi, kam nach Godesberg und brachte den 350cc Rudge ‘Python’ Motor mit, mit radialem 4-Ventil-Kopf. Als Dolmetscher fungierte in der Zeit zwischen 1933 und 1935 Hein Thorn-Prikker, nach dem Krieg Deutscher Straßenmeister. Die Modelle mit Rudge Motor wurden im Wettbewerb und in der Serie eingesetzt, allerdings nur kurz: die Nazis hatten bereits kurz nach der Machtübernahme angeordnet, sorgsam mit Devisen umzugehen. Um sicherzustellen, daß diese Anordnung auch befolgt wurde, wurden Importe ausländischer Motoren mit hohen Strafzöllen belegt. Schließlich gäbe es ja auch in Deutschland hervorragende Einbaumotoren...

Imperia unterstützte Bark in Dresden bei der Weiterentwicklung der eher unzuverlässigen und leistungsschwachen Motoren. Im internationalen Vergleich war damit kaum ein Blumenpott zu gewinnen, so wurden im Sport nahezu ausschließlich die Vorjahresmodelle eingesetzt. Eine Bark-angetriebene Sport 500 ist bekannt, allerdings blieben die Sporterfolge aus.

Schrödter sah den Ausweg in der Flucht nach vorn und beauftragte Ernst Loof, den Imperia Spitzenfahrer und talentierten Konstrukteur, einen eigenen Rennmotor zu entwickeln. Mit eine Budget von 77.000 Reichsmark ausgestattet konstruierte Loof einen 350cc Kompressor Rennmotor nach dem Gegenläufer-Prinzip, mit einem zentralen Zylinder und einer Zündkerze, und zwei separat angebrachten Kurbelwellen beidseits des Zylinders. Das Geld war allerdings aufgebraucht, bevor der Motor ausgereift war. Bei einigen wenigen Reisen zu Reneinsätzen 1935, z.B. auf der Avus und in Hannover-Eilenriede, wurden die Motorräder nicht eingesetzt. Als dann noch der Alkoholbetrieb bei Rennen verboten wurde, war das Projekt gescheitert. Ohne Alkohol konnten die thermischen Probleme des Zweitakters nicht gelöst werden.

 Nach dem Avusrennen 1935 wurde bei Imperia die Produktion eingestellt. Die Düsseldorfer Firma Philipp Müller (Autohaus Müller) hat die Reste der Produktion übernommen, ebenso die Namensrechte an ‘Imperia’. Die Düsseldorfer waren seit 1932 an Imperia als stiller Teilhaber beteiligt. Lange noch wurde bei der ‘Imperia Maschinenbau’ Stromgeneratoren hergestellt.

Rolf Schrödter widmete sich nach dem Krieg seiner Leidenschaft, der Fliegerei. Noch bis ins hohe Alter flog er als Co-Pilot, bevor er im hohen Alter von 96 Jahren im Jahre 1989 in Bad Godesberg- Mehlem starb.

 

Links zum Thema

Restaurierung Imperia 500H Bj 1928

www.imperia-motorrad.de