|
Restaurierungsbeschreibung NSU OSL 501
Anmerkung: Dieser Bericht ist keine technische Anleitung, sondern ein Verlaufsprotokoll - zur Verfügung gestellt von Jens – Uwe Strehle
Der Kauf
Im Februar 2005 bin ich auf der Suche nach Ersatzteilen für meine Victoria KR 35 auf eine polnische Adresse aufmerksam geworden. Der KR 35 Rahmen mit Motor sollte 4000 Euro kosten – indiskutabel. Aber der Mann aus Warschau hatte noch Triumph und OSL Motorräder im Angebot. Die OSL 501 wollte ich schon immer haben, leider in Deutschland unrestauriert kaum zu finden und eine restaurierte Maschine ist sündhaft teuer. Also, der Mann hatte eine OSL 501, OSL 601 und eine OS 501 mit offenen Ventilen. Dazu bekam ich folgendes Foto mit der Abbildung einer OS 501 ohne Gabel aber sonst angeblich vollständig. Richtige Bilder von der OSL 501 und 601 gab es nicht.
Ich habe deshalb im polnischen Grenzbereich einen Treffpunkt ausgemacht, um die Maschinen mit einem Freund zu begutachten. Zum Vorschein kamen dann zwei zusammengesteckte Maschinen mit nachgefertigten Blechteilen, beide unvollständig und auf jeden Fall mit geöffneten Motoren. Es war eine Gewissensfrage, die mit 3200 der Bedingung des Transports über die Grenze entschieden wurde. Die Verladung auf einem Baumarktparkplatz in Frankfurt war dann schnell gemacht. Ich entschied mich für die OSL 501.
Zuhause erfolgte dann die Bestandsaufnahme:
In der OLDTIMER PRAXIS erschien 11/2000 der erste Teil einer Restaurierungsbeschrei bung OSL 350 von Lambert Leon. Ich habe die gesammelte Ausgabe bei ebay ersteigert und einige Tipps verwenden können. Von einer OSL kannte ich nur Fotos, und eine Originalmaschine aus dem Sinsheimer Museum. Eine Teileliste und eine Bedienungsanleitung der Firma Schönhaar brachten die ersten Einsichten über fehlende oder falsche Teile. Anhand der Rahmennummer konnte das Baujahr 1939 bestimmt werden.
Klang, Fahreigenschaften und Standfestigkeit der Maschine waren mir unbekannt. Die Ersatzteilsituation sah aber gar nicht schlecht aus. Allerdings sind die Preise hier auch saftig. Und ich wollte viel selber machen. Die hochverlegten Auspuffe gab es an der OSL 501 optional. An der OSL 601 gab es die aufgrund der Militärausführung so nicht. Das hat letztendlich auch den Kauf der 501 mitentschieden.
Die ersten beiden äußerlich sichtbaren Probleme waren der fehlende zweiteilige Kettenkasten und die nachgefertigten falschen Schutzbleche. Letztere gehören auf die frühen Baujahre der zivilen OSL, bzw. auf die OS. Außerdem stimmte der Radius des hinteren Schutzbleches nicht. Die Schutzbleche sahen aus wie gebogene Dachrinnen. Der Kettenkasten fehlte ganz – für beides musste also Ersatz her. Der Tank stammte ebenfalls von einer OS. Die im Konvult nachgekauften Teile waren auch Schrott, da der Kettenkasten ein schlechter Nachbau und die Kotflügel unvollständig und defekt waren.
Immerhin war ein zweiter und richtiger Tank dabei, ein zweites Getriebe, Kupplungsteile und Kleinzeug. Der rechte Tank gehört auf eine OS, auf dem linken sind Verschraubungen für die Kniekissen vorgesehen und die Auswölbung für das NSU- Logo. Die ältere Form ist glatt.
Die Räder wurden bereits restauriert, der Rahmen und die Gabel waren pulverbeschichtet und dem Anschein nach vollständig. Diese Schutzblechform ist bei einem Baujahr 1939 richtig. Auf dem Foto aus einer Bedienungsanleitung deutlich zu erkennen: Kniekissen und eingefasstes NSU- Logo. Hier passt gar nichts am Hinterrad. Das verzinkte Schutzblech entspricht nicht der richtigen Kastenform. Vor allem aber stimmt der Durchmesser nicht, der sich durch das Einziehen des Bleches im Bereich Öltank noch verschlimmert hatte. Das abnehmbare Endstück ragt wie bei „Alle meine Entchen….“ Weit über das Hinterrad. Vorn sah es nicht viel besser aus. Hier muss unbedingter Ersatz her.
Motorinstandsetzung:
Eine der spannendsten Frage: Wie sieht der Motor von innen aus? Da sich der Kolben bewegt und die Kurbelwelle auch frei ist könnte es mit ein wenig Glück eine „ganz normale Motorüberholung werden“. Wenigstens war das Gehäuse nicht gestrahlt und Risse sind auch keine zu erkennen. Zwei der unteren Gehäuseverschraubungen sind zur Hälfte herausgerissen. Die werden aufgetragen und neu gebohrt – Vorsicht: Gehäuse vorher gleichmäßig warm- machen, um Verziehen zu verhindern.
Also raus den Motor und hoch auf die Werkbank.
Aber jetzt kam das dicke Ende. Hier hatte sich schon einmal einer einen Ersatzteilspender gesucht. Die Stößelstangen waren weg, die Düsen und Federn zur Motor- und Kurbelwellenschmierung ebenfalls.
Ein missglückter Versuch, das Kurbelgehäuse zu öffnen, hatte deutliche Spuren hinterlassen. Das Antriebsritzel der Nockenräder brummt in der Regel felsenfest auf dem Konus. Auch ich hatte damit meine Probleme. Weder Hitze noch Kälte konnten hier etwas ausrichten. Ich habe das Ritzel dann heruntergeschnitten, Ersatz kostet 60.- Euro. Mein Tipp: Kauft vorher den entsprechenden Abzieher für teures Geld, das Teil kann man später immer wieder gebrauchen.
Sehr schön zu sehen, wie hoch das Wasser im Kurbelgehäuse stand: Fast Mitte Pleulfußlager
Das Antriebsritzel der Nockenräder konnte ich nur herunterschneiden. Am besten den Schnitt an der Keilnut ansetzen, damit die Kurbelwelle nicht beschädigt wird. Nach dem Schnitt wird der Rest am besten aufgemeißelt.
Der rostgeschädigte Nocken muss auf jeden Fall gewechselt werden. Das sind nicht nur Laufspuren, sondern auch kräftige Rostspuren. Der Ersatz sollte dann auch in die Messinglager passen. Wenn hier zuviel Spiel ist, klingt die Motorsteuerung wie eine böse Schreibmaschine.
Aufreiben geht dabei immer, wenn die Nockenräder allerdings hereinfallen, müssen die Lager raus und neue eingepresst werden. Außerdem muss das Spiel stimmen, bevor der Steuerdeckel aufgesetzt wird. Bei zuviel Spiel kann eine Scheibe beigelegt werden.
Geschniegelt und mit neuen Steuerrädern und Nocken. Die Kipphebel stammen aus einem Ersatzmotor, den ich auf dem Markt in Erfurt 2006 erstanden habe. Unglaublich, dass so was für 400,- Euro brauchbar noch zu haben ist. Die Ölpumpe war o.k. Alle fehlenden Düsen, Dichtungen, Federn etc. stammen von der Fa. Schönhaar. So sieht dann die Motorsteuerung mit komplett montierter Ölpumpe aus.
Mit der Reparatur des Zylinderkopfes habe ich einen Spezialisten aus Hamburg beauftragt:
- beide Auspuffgewinde im Auftragsschweißverfahren und folgendem Abdrehen erneuern
- beide Ventilführungen erneuern
- Ventile erneuern und einschleifen
- Ersetzen abgebrochener Kühlrippen
- Erneuern der Stehbolzen im Kop
So sehen der überholte Kopf und der geschliffene Zylinder aus. Der alte Kolben hatte reichlich Spiel und Laufspuren. Ich habe mich für einen Schmiedekolben der Firma Wahl entschieden. Sehr edles Teil für schlaffe 240,- Euro – . Schluck!
Die Kurbelwelle erneuern umfasst:
- Hubzapfen mit Lager
- Auswinkeln und ausfluchten
- Kolbenbolzenlager mit 1/100 Spiel
- Die Fettfinger sind von mir.
Die Kurbelwelle wird in die sauberen Gehäusehälften eingesetzt. Ein guter Tipp dabei ist, die alten Lager größer zu schleifen, um die Kurbelwelle mit dem richtigen Spiel einzupassen. Danach kann man in aller Ruhe die neuen Lager einsetzen, Dichtmittel auftragen und die Gehäusehälften zusammensetzen.
Damit ist der Motor fertig. Dank der Markierungen auf den Nockenrädern bzw. einer Einbauanleitung, bei der nach Auszählen der Zähne die Motorsteuerung exakt eingestellt werden kann, wird der Motor geschlossen. Die Federn, Kugeln und Dichtungen an der Ölpumpe sind neu. Alle Zylinderkopfschrauben wurden erneuert. Das Ventilspiel lässt sich mit den Exzenterschrauben gut einstellen.
Getriebeüberholung
In Anbetracht des Vorhandenseins zweier Getriebe hatte ich keine Sorge, dass etwas fehlen sollte. Allerdings hatten beide die gleichen Fehler: Die Hinterschneidung der Mitnehmer beim Einrasten der Gänge waren schon ganz schön abgenutzt und rund. Aus beiden habe ich die besten Teile zusammengestellt. Die Gehäuse waren beide gut. Beim zweiten waren die Hebel für Kupplung und Gang dran.
Mit dem Dremel und den härtesten Schleifscheiben wird die Hinterschneidung der Mitnehmer verbessert. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Gänge herausspringen. Besonders schlimm war die Abnutzung im ersten und zweiten Gang.
Danach sieht es im gereinigten und zusammengesteckten Getriebe schon ganz gut aus. Die Gänge lassen sch schalten und die Hoffnung ist groß, dass kein Gang später herausspringt. Professioneller ist allerdings Ersatz.
Die Einstellschraube zum Spannen der Getriebekette ist eine heikle Sache. Das Gewinde sitzt in der Welle, mit der auf der einen Seite das Getriebe gegen den Rahmen verspannt wird, auf der anderen Seite wird das Schaltgetriebe aufgesetzt. Durch ungleichmäßiges Anziehen beider Muttern kann die Getriebespannschraube brechen. Das ist mir passiert.
|