Universal (Schweiz)

 

Die Schweizer Universal Motorräder wurden von den späten 20iger Jahren bis in die frühen 60iger Jahre gebaut. Vor dem Krieg war die Modellpalette eigentlich nicht außergewöhnlich; es gab eine Reihe von Modellen mit teilweise eigenen Motoren, die in geringen Stückzahlen gebaut wurden. Leider gibt es nur wenig Dokumentation zu diesen Motorrädern.

Während des Krieges wurden Motorräder mit quer eingebautem 1000cc V-Twin für militärischen Einsatz gebaut. Hier bestand offenbar eine Kooperation mit Condor. Diese Maschinen wurden als Gespann ausgeliefert.

Ab 1947/48 bis ca 1962 wurden insgesamt rund 1000 zivile Kardan-Boxer Maschinen gebaut, die in erster Linie für den Heimatmarkt gefertigt und dort verkauft worden waren. Ein paar wenige Motorräder sind offenbar auch in die Niederlande und nach Südamerika geliefert worden. Unbestätigt sind Gerüchte, daß diese Maschinen auch in Deutschland als “Rabeneick” verkauft wurden. Diese Maschienen waren sehr teuer, hatten jedoch den ausgezeichneten Ruf Schweizer Präzision und Sorgfalt.

Universal verwendete eine verwirrende Vielfalt von Modellbezeichnungen für sehr ähnliche Motorräder. Die Modellpalette umfasste seiten- und kopfgesteuerte Modelle mit Starrrahmen hinten und Geradeweg-Hinterradfederung. Gegen Ende der Produktionszeit gab es einige Maschinen, die mit Zweivergaser-Anlage ausgerüstet waren, im Gegensatz zum Einvergaser-Standard. Eine solche Zweizylinder-Sport-Variante kann im Barber Museum in Alabama, USA, angeschaut werden. In den USA scheint es noch fünf weitere Maschinen zu geben, ansonsten ist die Universal recht rar außerhalb der Schweiz.

Die hier beschriebene Universal ist ein Modell 2B aus dem Jahre 1953 mit 580cc. Die Maschine war einmal bei ebay verkauft worden und war zu ca 75% vollständig. Trotz der geringen Laufleistung waren die Vorbesitzer nicht besonders liebevoll mit ihr umgegangen, und hatten mehrere Schichten grauenvollen Lackes lieblos drübergesprüht; von einem Rot wie bei kandierten Kirmes-Äpfeln über türkis bis zu schwarz war alles Schicht über Schicht vorhanden. Am ‘Easy Rider’-Lenker wie bei Dennis Hopper taten billige Englische Armaturen Ihren Dienst, im Einklang mit einem Gasdrehgriff von Harley.

Ein Pleuel war abgerissen, zum Glück sind diese aus Leichtmetall und haben beim Abriss das Motorgehäuse nicht beschädigt. Die Fehlteile waren ein guter Grund für eine Europa-Reise zur Veterama und zu einigen schweizer Händlern- wo noch einige Teile für das Motorrad zu finden waren. So konnte die Restauration weitestgehend original erfolgen.

Das Motorrad ist im Herbst 2008 fertig geworden. Die Tanklinierung ist noch nicht fertig, und ein paar Feinarbeiten habe ich mir für das nächste Frühjahr aufgehoben.

Meine zweite Universal ist ein Modell B50, welches sich sehr ähnlich wie eine BMW R51/3 oder Zündapp KS 601 fahren läßt. Die Qualität der Schweizer Maschine übertrifft dabei noch die Qualität der BMW oder Zündapp in einigen Punkten! Dabei gibt es ein paar Konstruktionsdetails, die auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erscheinen: so bekommt der Vergaser vorgewärmte Luft aus dem Ansauggehäuse, und die Hinterachse läuft in Nadellagern, welche ein Kardangelenk der Antriebswelle überflüssig macht. Die Naben sind ähnlich den von Ernst Hoske Nachrüstteilen für BMW.